Interview

Warum haben Sie sich entschieden, Environment and Energy an der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort zu studieren?

Um ehrlich zu sein, hatte ich mich bei meiner Entscheidung, in Deutschland zu studieren, zunächst nicht für Environment and Energy entschieden. Da Deutschland für seine Autos bekannt ist, entschied ich mich natürlich für Maschinenbau; viele andere haben das vielleicht genauso gemacht. Im ersten Studiensemester in Kleve merkte ich jedoch, dass mich das Fachgebiet nicht wirklich interessierte. Zu dieser Zeit fuhr ich ziemlich oft nach Kamp-Lintfort, um einige meiner Freunde zu besuchen, die Environment and Energy studierten, und hatte Gelegenheit, bei ihren Vorlesungen zuzuhören. Nachdem ich noch ein paar Vorlesungen besucht hatte, hatte ich wirklich das Gefühl, dass dies etwas war, worüber ich mehr erfahren wollte. Nach sorgfältiger Abwägung meiner eigenen Interessen und meiner beruflichen Zukunftsperspektiven traf ich schließlich die Entscheidung, mein Studienfach auf Environment and Energy zu wechseln.

Wenn ich heute zurückblicke, bin ich nach wie vor der Meinung, dass ich die richtige Entscheidung für mich getroffen habe. Ich muss sagen, dass Environment and Energy ein einzigartiger englischsprachiger Studiengang an der HSRW ist, da es an anderen Universitäten normalerweise entweder Umweltwissenschaften oder Energietechnik gibt. Es war ein innovativer Gedanke, diese beiden Bereiche zu einem Studiengang zu kombinieren. Umwelt und Energie sind zwei entscheidende Faktoren, die unsere Gesellschaften und die wirtschaftliche Entwicklung jedes Landes auf der Welt beeinflussen. Sie schränken sich gegenseitig ein, stehen aber dennoch in Wechselwirkung zueinander, weshalb es wichtig ist, sie gemeinsam zu studieren und die Zusammenhänge zu verstehen. Dies kann uns helfen, einen Weg zu finden, Energie zu erzeugen, ohne dabei den blauen Himmel und die frische Luft zu opfern.

Ich hatte so viel Spaß und habe während meines Aufenthalts in Kamp-Lintfort viele neue Freunde gefunden. Meine Studienzeit in Deutschland war unvergesslich und hat den Grundstein für das gelegt, was ich heute habe.

 

Nach Ihrem Abschluss blieben Sie in der Wissenschaft und absolvierten einen Masterstudiengang in Nachhaltiger Energietechnik am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm. Können Sie uns etwas über Ihre Gründe für die Fortsetzung einer akademischen Laufbahn erzählen?

Während meines Bachelorstudiums wurde mir die Bedeutung der Umwelt und die Probleme bewusst, mit denen wir bei der Energieerzeugung konfrontiert sind. Ein motivierender Faktor waren meine persönlichen Interessen: Ich wollte mehr lernen und tiefer in den Energiebereich einsteigen. Ein weiterer Faktor waren die Erfahrungen, die ich während des Praxissemesters bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen gemacht habe. Bei dem Praktikum ging es um die katalytische Aufbereitung von Pyrolyse-Dämpfen aus landwirtschaftlichen Abfällen (Stroh) zur Herstellung von Bioöl, das als Treibstoff für Flugzeuge oder große Schiffe verwendet werden kann. Zunächst absolvierte ich dort mein Praktikum, danach schrieb ich meine Bachelorarbeit und schließlich arbeitete ich dort als studentische Hilfskraft weiter, bis ich Deutschland verließ, um nach Schweden zu gehen und mein Masterstudium aufzunehmen. Die Arbeitserfahrung festigte meinen Wunsch, mehr im Energiebereich zu entdecken, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien. Ich hoffe sehr, dass ich zur Energiewende der Zukunft beitragen kann.

 

Bitte erzähl uns mehr über das Forschungsthema deiner Masterarbeit, die du in Zusammenarbeit mit der Universität Gustave Eiffel in Paris schreibst.

Energiegewinnung ist ein weiterer Weg, die Energieeffizienz zu steigern. Bei meiner Forschung hier an der Universität Gustave Eiffel dreht sich alles um einen neu entwickelten und patentierten Polymer-Wärmetauscher zur Wärme- oder Kältegewinnung aus Abwasser. Im Vergleich zu herkömmlichen Wärmetauschern vereint dieser Polymer-Wärmetauscher hohe Flexibilität, niedrige Kosten und einfache Konstruktion. Da er jedoch neu ist, ist empirisch nur sehr wenig über seine tatsächliche Leistung bekannt. Meine Aufgabe ist es, seine Eigenschaften zu untersuchen und anschließend seine Leistung unter verschiedenen Bedingungen in einer Laborumgebung zu testen und zu analysieren. Es wird auch eine Fallstudie vor Ort geben, um die Effizienz des Wärmetauschers in einer echten unterirdischen Abwasserleitung zu untersuchen.

Die Zukunft dieses Polymer-Wärmetauschers ist vielversprechend. Er kann für HVAC&R-Anwendungen (Heizung, Lüftung, Klimatisierung und Kältetechnik) eingesetzt werden, um thermischen Komfort in Gebäuden zu gewährleisten. So könnte er beispielsweise zur Kühlung von Wohnhäusern in Europa während sommerlicher Hitzewellen genutzt werden, da Klimaanlagen dort nicht weit verbreitet sind.

Welchen Karriereweg möchten Sie nach Abschluss Ihres Masterstudiums einschlagen?

Mein derzeitiger Plan ist es, nach meinem Masterabschluss eine Stelle in Europa zu finden. Ich möchte in der Branche für erneuerbare Energien arbeiten, sei es bei einem Windkraftanlagenhersteller, einem Solarenergieunternehmen oder sogar bei einem konventionellen Energieerzeuger, der auf erneuerbare Energien umsteigen möchte. Deutschland ist in Europa Vorreiter, was den Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieerzeugung angeht, und ich kenne Deutschland besser als jedes andere Land in Europa. Daher steht es ganz oben auf meiner Liste der Länder, in denen ich gerne arbeiten würde. Ähnliche Länder wie die Niederlande und Dänemark stehen ebenfalls ganz oben auf meiner Liste. Ich bewerbe mich derzeit um Stellen, während ich meine Masterarbeit schreibe. Wünscht mir Glück!

Wenn Sie angehenden und derzeitigen Studierenden der Fachrichtung Umwelt und Energie einen Rat geben müssten, welcher wäre das?

Folge deinem Herzen und arbeite hart. Aber es gibt mehr als nur einen Ratschlag, den ich gerne weitergeben möchte.

Angehende Studierende sollten die Einführung zum Studiengang auf der HSRW-Webseite sorgfältig lesen und sich fragen: „Ist es das, was ich wirklich lernen möchte?“, „Ist es das, woran ich in meiner Karriere arbeiten möchte?“. Wenn deine Antworten JA lauten, herzlichen Glückwunsch! Du hast eine großartige Wahl getroffen.

Für derzeitige Studierende ist es an der Zeit, hart zu arbeiten. Ich wusste, dass es nicht einfach ist, pünktlich und mit guten Noten abzuschließen, aber es ist nicht unmöglich. Hier sind einige Dinge, die ihr tun könnt:

1) Bittet Professorinnen und Professoren oder das Student Service Centre um Hilfe, wenn ihr Probleme im Alltag habt, insbesondere als internationale Studierende. Es ist anfangs nicht einfach, alleine im Ausland zu leben; ihr könnt euch nur dann auf euer Studium konzentrieren, wenn ihr einen klaren Kopf habt.

2) Passt in den Vorlesungen gut auf und nutzt die Tutorien, um offene Fragen zu klären.

3) Lasst euch keine Praktikumsmöglichkeit entgehen. Praktika sind so wichtig, weil sie nicht nur euer Wissen aus dem Studium vertiefen, sondern euch auch auf den richtigen Karriereweg führen.

4) Für internationale Studierende: Beginnt jetzt mit dem Deutschlernen, wenn ihr vorhabt, nach dem Studium in Deutschland zu bleiben. Nutzt den Aufenthalt in Deutschland und verbessert eure Deutschkenntnisse. Das erhöht mit Sicherheit eure Chancen auf ein Praktikum oder einen Job. Außerdem erleichtert es euren Alltag und hilft euch, euch schneller an eure neue Umgebung anzupassen.

Was ist deine schönste Erinnerung an deine Studienzeit an der Rhein-Waal?

Ich habe so viele schöne Erinnerungen an mein Studium an der HSRW. Ich möchte besonders auf eine davon eingehen: das interdisziplinäre Projekt im fünften Semester. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als sich alle Studierenden aus Kamp-Lintfort im Audimax versammelten, um der Auftaktpräsentation der Profs zu hören, in der alle Themen vorgestellt wurden, die für das Projekt ausgewählt werden konnten.

Es war das erste Mal, dass ich nach der Eröffnungsfeier vor Beginn des ersten Semesters so viele Studierende an einem Ort sah. Mir gefällt diese Art des Unterrichts sehr gut, bei der Studierende aus verschiedenen Studiengängen zusammenarbeiten, um dasselbe Projekt abzuschließen. Das Thema, das ich wählte, war „Mikroplastik in den Ozeanen“. In der Gruppe versuchte jeder, mit dem, was er gelernt hatte, etwas zum Projekt beizutragen. Ein anderer chinesischer Student in der Gruppe und ich führten eine Umfrage durch, um die Meinungen der Chinesen zu Mikroplastik zu erfassen und die Ergebnisse mit der Umfrage zu vergleichen, die zwei andere Mitglieder der Gruppe unter Deutschen durchgeführt hatten. Schließlich haben wir dank der gemeinsamen Anstrengungen aller einen 200-seitigen Bericht fertiggestellt, der fast alle Aspekte des Themas Mikroplastik abdeckte. Wir waren sehr stolz auf uns.


Zeitpunkt des Interviews: März 2020