Interview

Sie arbeiten derzeit als Mess- und Regeltechnikerin bei der Firma Rocket Lab in Neuseeland. Wie ist Ihr beruflicher Weg nach dem Studium verlaufen? 

Nach meinem Abschluss an der Hochschule Rhein-Waal habe ich einen Forschungsmaster am Auckland Bioengineering Institute in Neuseeland absolviert. Ein Forschungsmaster dauert ein Jahr und lässt sich als eine Art Miniaturversion einer Promotion beschreiben. In meinem Masterstudium ging es um die Entwicklung eines neuen medizinischen Geräts zur Verbesserung der Frauengesundheit. Nach Abschluss meines Masterstudiums arbeitete ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin, bevor ich mir eine Auszeit nahm, um die Welt zu bereisen. Ich kehrte nach Neuseeland zurück und begann eine Stelle bei Rocket Lab, wo ich die an der Hochschule erworbenen Fähigkeiten anwenden und weiterentwickeln kann.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Die Mission von Rocket Lab ist es, die Barrieren für die kommerzielle Raumfahrt zu beseitigen, indem häufige Startmöglichkeiten für Kleinsatelliten in die erdnahe Umlaufbahn geboten werden. Es ist ein extrem geschäftiges und schnelllebiges Unternehmen. Ich bin einer von 20 Avionikingenieuren und insbesondere für die Konstruktion, Fertigung, Kalibrierung und Installation der Sensoren an der Rakete verantwortlich. Das bedeutet, dass ich viel Zeit in der Werkstatt verbringe und mit vielen verschiedenen Teams innerhalb und außerhalb des Unternehmens zusammenarbeite.

Was gefällt Ihnen an dem Job am besten?

Mein Job ist herausfordernd, ermöglicht mir aber, an einem der coolsten Projekte überhaupt mit den intelligentesten, fähigsten und leidenschaftlichsten Menschen des Landes zu arbeiten. Besonders genieße ich die Vielfalt meiner Arbeit, die Verantwortung, die ich trage, und die Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln! Und um ehrlich zu sein: Das Gefühl, eine Rakete erfolgreich zu starten, ist unbeschreiblich.

Haben Sie vor dauerhaft in Neuseeland zu bleiben?

Mein Partner und ich möchten gerne in verschiedenen Ländern arbeiten und leben, aber wir denken, dass Neuseeland der perfekte Ort wäre, um uns niederzulassen und eine Familie zu gründen – es ist ein sehr schöner und friedlicher Ort.

Welche für diese Position wichtigen Fähigkeiten haben Sie während/durch Ihr Studium erworben?

Das Ingenieurstudium an der Hochschule hat mir ein gutes Kompetenzspektrum vermittelt. Das Wichtigste, was ich an der Universität gelernt habe, war jedoch, selbstständig zu denken. Ganz gleich, was man nach dem Studium macht, es ist ein großer Vorteil zu wissen, wie man ein Problem angeht und löst.

Was würden Sie unseren Studierenden empfehlen, die sich bestmöglich auf eine Karriere nach dem Abschluss vorbereiten wollen?

Ich würde ihnen raten, offen zu sein! Sucht nicht nur nach Jobs in dem Bereich, in dem ihr euren Abschluss gemacht habt! Sammelt außerdem so viel praktische Erfahrung wie möglich, denn das meiste lernt ihr erst im Job. Meiner Erfahrung nach wollen Arbeitgeber sehen, dass ihr lernfähig seid und mit Leidenschaft bei der Sache seid – versucht, das rüberzubringen! Und zu guter Letzt: Gebt nicht auf, wenn ihr ein paar Absagen bekommt. Das passiert jedem! Bleibt positiv! Träumt groß und arbeitet hart dafür! Die Welt steht euch offen!

Wenn ich an meine Zeit als Studentin an der Hochschule Rhein-Waal zurückdenke, erinnere ich mich an…

…all die verschiedenen Menschen, die ich kennengelernt habe, und all die Dinge, die wir gemeinsam unternommen haben. Wie wir mehrmals das Labor räumen mussten, in „IT-Programmierung“ nichts außer „Randbedingungen“ verstanden haben und jedes Semesterende gefeiert haben. Ich finde, es war eine sehr schöne Zeit!

Zeitpunkt des Interviews: Juli 2017