Gänsefeld Gänsepeter

Was macht das Wetter mit den Gänsen?

Jannis Menne, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Rhein-Waal, erforscht das Verhalten der Mast- und Legegänse in den Weidestrukturen zu unterschiedlichen Witterungsbedingungen.


Beim Gänsepeter in Rommerskirchen lassen Peter Eßer und sein Sohn Sebastian Eßer einige tausend Gänse weiden: mal auf Grünland, mal auf Grünland mit Obstbäumen oder auf einer Ackerweide mit bspw. Mais. 

Ziel der praktischen Forschung ist, Weiden an klimatische Veränderungen wie immer wärmere Sommer anzupassen und damit mehr Tierwohl zu fördern.

Die Art und die Struktur einer Weide beeinflussen, wie sich Gänse darauf bewegen. „Gänse sind sehr mobile Weidegänger. Die Tiere sind neugierig und nutzen die Weideflächen voll aus“, so Jannis Menne, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSRW. Das Verhalten der Gänse hat aber auch mit dem Wetter zu tun. Genau hier setzt die Forschung an: Ziel ist, zu untersuchen, wie sich Weidestrukturen und Umweltbedingungen, z. B. starke und anhaltende Hitze, auf das Verhalten der Tiere auswirken. Denn so wie Menschen auch, suchen Gänse bei hohen Temperaturen nach kühlen Orten. Hierzu entwickelt und erprobt Jannis Menne unter praktischen Weidebedingungen digitale Methoden, mit denen sich das Verhalten von Gänsen zuverlässig erfassen und auswerten lässt. Die Forschung findet im Rahmen seiner Doktorarbeit, angesiedelt im Agroforst Reallabor des Förderprojekts TransRegINT an der HSRW, statt.

Bereits seit einigen Jahren lässt der Gänsepeter seine Gänse in Maisfeldern weiden. Sie dienen den Gänsen als Futterquelle, Beschäftigung und Rückzugsort; im Sommer fungieren sie zudem als Schattenspender. Um weitere Struktur und Schatten zu schaffen, wurde letztes Jahr auf einer Weide ein sogenanntes Agroforstsystem gepflanzt: Pappeln reihen sich neben Ackerkulturen wie Mais oder Ackergras. Inzwischen sind die Pappeln über vier Meter hoch und können den ersten Gänsen Schatten liefern. Um Daten zu den verschiedenen Weidestrukturen zu erheben, platziert Jannis Menne Sensoren, u. a. im Mais, auf einer Grünlandfläche sowie in und zwischen den neuen Pappelreihen. Alle Flächen auszustatten ermöglicht im Nachhinein einen genauen Vergleich. Die Sensoren messen Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Daraus kann ein Hitzestressindex ermittelt werden.

Die Gänseweiden werden zudem in 80 bis 120 m Höhe mit Drohnen überflogen, um Aufnahmen zu machen und folglich auszuwerten, wo sich die Gänse auf der Weide aufhalten. Ein plakatives Beispiel: Bei Hitze ruhen die sonst so agilen Gänse im Stall oder unmittelbar an der Schattengrenze von Gebäuden und Bäumen, bis die Temperaturen wieder fallen. 2025 ist das Experiment gestartet, dieses Jahr folgen weitere Überflüge. Die Drohnenaufnahmen werden dann mit den Sensordaten abgeglichen: Welchen Einfluss haben unterschiedliche Weidestrukturen auf das Mikroklima? Und wie beeinflusst dieses wiederum das Verhalten der Gänse und ihre Verteilung auf den Weiden?

Mehr Tierwohl auf Weiden trotz der merkbaren Veränderungen des Klimas ist das Ziel der praxisnahen Forschung. Jannis Menne erwartet, dass sich die Pappelreihen positiv auf die Nutzung der Weide auswirken. Die Gehölze gliedern die Weideflächen und schaffen Bereiche, in denen die Gänse sowohl Schutz als auch mit zunehmendem Wachstum der Gehölze immer mehr Schattenfläche finden. Darüber hinaus könnten die Verdunstungsleistung der Bäume und die Beschattung zu einem günstigeren Mikroklima beitragen. Die Ergebnisse und Erfahrungen kommen Landwirt*innen bei der Flächengestaltung für ihre Weidetiere zugute. Und schlussendlich natürlich auch den Gänsen.

Autor*in
Luisa Rottes
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