Interview

Was hat Sie dazu motiviert, Ihren Masterstudiengang in Bionics an der HSRW zu absolvieren?

Ich wollte schon immer meinen Master im Ausland machen und habe mich von Anfang an für Europa interessiert. Ein Onkel von mir hatte in den 1980er Jahren sein Postdoktorat in Deutschland absolviert und mir dieses Land empfohlen. Eins führte zum anderen, und schließlich landete ich an der HSRW im Studiengang Bionics/Biomimetics.

Ich fand die Verbindung zwischen Natur und Technik sehr interessant und wollte dies weiter erforschen; das war meine größte Motivation, Bionik zu studieren. Seit meinem Bachelor in Elektrotechnik hatte ich mich für industrielle Automatisierung und Steuerungssysteme interessiert, was man heute als Operations Technology (OT) bezeichnet. Die Flexibilität der Bionik, Projekte und meine Abschlussarbeit im Bereich OT zu verfolgen, fand ich sehr attraktiv, und genau das habe ich schließlich getan.

Sie haben 2011 an der HSRW begonnen, zwei Jahre nach der Gründung der Hochschule. Wie haben Sie Ihr Studentenleben erlebt?

Das Studentenleben an der HSRW war ziemlich interessant. Als ich dort anfing, befand sich der Campus in Kleve noch im Bau, und wir verbrachten unsere ersten beiden Semester in den alten Kasernen in Emmerich! Kleve und Emmerich – wie vieles andere in der Region Niederrhein – sind recht ruhige Orte, aber ich hatte dort trotzdem eine tolle Zeit. Studentenpartys, Treffen und Grillfeste haben wirklich Spaß gemacht. Die HSRW ist so vielfältig, das verblüfft mich einfach. Menschen aus verschiedenen Kulturen, Ländern und Regionen Deutschlands kennenzulernen, war eine surreale Erfahrung, die ich bis heute schätze. Die HSRW ist eine sehr eng verbundene Gemeinschaft, und die Zeit, die ich mit meinen Kommilitonen verbrachte, führte zu einigen lebenslangen Freundschaften. Ich habe immer noch Kontakt zu vielen Menschen aus Kleve und treffe mich regelmäßig mit ihnen, um in Erinnerungen an die guten alten Zeiten zu schwelgen.

Was war das Thema Ihrer Masterarbeit?

In meiner Masterarbeit entwickelte ich ein Software-Tool, mit dem man eine webbasierte Mensch-Maschine-Schnittstelle (HMI) erstellen konnte. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit einem deutschen Unternehmen und unter Verwendung des modellgetriebenen Entwicklungsansatzes (MDD) durchgeführt.

Heute arbeiten Sie als Advanced PICS Engineer bei 3M in Düsseldorf. Bitte erzählen Sie uns mehr über Ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Wie bereits erwähnt, interessiere ich mich schon seit geraumer Zeit für die industrielle Automatisierung. Nach meinem Abschluss an der HSRW trat ich in ein Unternehmen ein, das mich rund um die Welt entsandte, um Produktionslinien für Automobilhersteller in Betrieb zu nehmen. Dies hat mein Wissen und meine Leidenschaft für den Bereich Automatisierung und Steuerung wirklich vertieft.

Im Jahr 2021 begann ich bei 3M als Advanced PI&CS Engineer zu arbeiten und erhielt die Chance, mich mit OT-Cybersicherheit und Datenautomatisierung zu befassen. Dies war für mich der nächste logische Schritt in meiner Karriere. Ich bin nun der Fachexperte für diesen Bereich in der EMEA-Region und habe das OT-Cybersicherheitsportfolio für 3M in dieser Region übernommen. Ich bin sowohl an projektbezogener Arbeit als auch an der Standardisierung in der EMEA-Region und weltweit für 3M beteiligt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?

Ganz klar: die Herausforderung, die damit verbunden ist. Cybersicherheit in der OT und die IT/OT-Konvergenz sind relativ neue Bereiche, daher sind die damit verbundenen Herausforderungen immens. Jedes Projekt ist anders, und ich muss das Wissen und die Technik auf einzigartige Weise anwenden, um die passende Lösung zu finden. Auch die Standardisierung von Strukturen, Lösungen und Technologien ist eine große Herausforderung, der sich meine Kollegen und ich stellen und die wir meistern. 3M verfügt über ein vielfältiges und talentiertes Team von Ingenieuren, und wir lösen Probleme, damit wir großartige Produkte für unsere Kunden entwickeln können.

Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium der Bionik bewerten?

Ich glaube, das Studium der Bionik hat mir neue Denkweisen eröffnet und mir gezeigt, wie man Lösungen für ingenieurtechnische Probleme findet. Die Inspiration aus der Natur, die über Millionen von Jahren evolutionäre Problemlösungen entwickelt hat, hat mir neue Einblicke verschafft.

Welchen Rat haben Sie für unsere Ingenieurstudierenden?

Mein Rat: Bleiben Sie offen für Neues. Es gibt heute immer mehr Möglichkeiten für Ingenieure, in Bereichen, die noch ganz am Anfang stehen und gerade erst reifen. Versuchen Sie, in neue Bereiche einzutauchen und durch Praktika und Werkstudentenprogramme neue Ansätze zur Problemlösung zu erlernen, da diese eine hervorragende Möglichkeit bieten, Unternehmen und deren interne Abläufe kennenzulernen.

Für internationale Studierende wäre mein wichtigster Rat, sich selbst nicht zu unterschätzen und sich nicht unter Wert zu verkaufen. Sie sind in ein fremdes Land gekommen und haben sich hier ein Leben aufgebaut. Sie haben das Zeug dazu, sich auszuzeichnen!

Zeitpunkt des Interviews: November 2023