Interview
Herzlichen Glückwunsch, Herr Sabaghi, Sie sind der erste Studierende der Hochschule Rhein-Waal, der einen Doppelabschluss erworben hat. Das bedeutet, dass Sie in Deutschland an der Hochschule Rhein-Waal, aber auch in den USA an der Ferris State University studiert haben. Können Sie uns mehr über den Ablauf des Doppelabschlusses erzählen?
Der Ablauf des Doppelabschlussprogramms ist eigentlich mehr oder weniger unkompliziert. Man studiert zwei Jahre an der Hochschule Rhein-Waal, absolviert dann ein Jahr an der Ferris State University und verbringt schließlich das letzte Jahr – oder „Senior Year“, wie es in den USA genannt wird – wieder an der Heimatuniversität, wo man das Studium mit zwei Abschlüssen abschließt. Es gibt jedoch einige Unterschiede hinsichtlich der Prüfungen und der an den jeweiligen Hochschulen erforderlichen Kurse. Man muss beispielsweise nicht zwei Bachelorarbeiten schreiben, sondern nur eine an der Heimatuniversität, und während man an der Ferris State University eine Reihe von allgemeinbildenden Kursen im Bereich der Naturwissenschaften belegen muss, ist dies an der Hochschule Rhein-Waal keine Voraussetzung. Ich musste an der Ferris State University beispielsweise die Kurse „Meeresbiologie“ und „Biologische Konzepte“ belegen, die auf den ersten Blick nichts mit meinem eigentlichen Hauptfach zu tun zu haben schienen, doch diese Kurse erwiesen sich als überraschend faszinierend, und man lernt viel mehr über interdisziplinäre Zusammenhänge als erwartet.
Bedeutet ein Doppelabschluss auch doppelt so viel Arbeit?
Ich würde nicht sagen, dass es doppelt so viel Arbeit ist, aber es ist natürlich trotzdem viel Arbeit. Vor allem aber gewinnt man unter dem Strich so viel mehr durch die gesammelten Erfahrungen sowie die erworbenen Problemlösungsfähigkeiten und die methodische Ausbildung.
Was waren Ihre schönsten Erlebnisse während Ihres Aufenthalts in den USA?
Meine schönsten Erlebnisse… nun, meiner Meinung nach war es wirklich inspirierend, den amerikanischen Lebensstil kennenzulernen. Er zeichnet sich durch eine beeindruckende „Du kannst alles schaffen“-Mentalität aus, die ich in der deutschen Kultur manchmal vermisse. Zum Beispiel werde ich nie den Tag vergessen, an dem mein Englischlehrer an meiner Schule in Deutschland plötzlich sagte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von euch jemals Millionär wird, liegt bei nahezu null“. Dieser Tag war sehr frustrierend für mich. Dann passierte etwas sehr Ähnliches während einer Vorlesung in den Vereinigten Staaten. Es war der erste Unterrichtstag, und der Professor sagte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr alle Millionäre werdet, ist sehr hoch.“ Ich habe es wirklich genossen, diese Einstellung und Lebensperspektive zu erleben, die Art und Weise, wie Menschen in den USA Probleme als Chancen wahrnehmen und danach streben, ihre Ziele zu erreichen. Das ist die beste Erfahrung, die ich während meines Auslandsstudiums gemacht habe.
Welchen Rat können Sie angehenden Studierenden geben, die eine Bewerbung für ein Doppelabschlussstudium in Erwägung ziehen?
Mein wichtigster Rat an Studierende: Seien Sie präsent, arbeiten Sie hart und vergessen Sie nicht, Ihr Studentenleben zu genießen. Was ich damit sagen möchte, ist Folgendes: Es ist natürlich wichtig, fleißig zu lernen und gute Noten zu erzielen, aber es ist ebenso wichtig, sich in gewissem Umfang an Aktivitäten innerhalb der Fakultät und der Universität zu beteiligen. Das ist vor allem für Sie selbst wichtig, denn nach dem Abschluss werden die Netzwerke, die Sie aufgebaut haben, und die Freunde, die Sie hier gewonnen haben, genauso wertvoll sein wie Ihr Abschluss. Es ist nicht nur sehr interessant, in Kontakt zu bleiben und zu erfahren, wohin all diese Menschen von hier aus gehen, sondern es könnte sich letztendlich auch als wertvoll für zukünftige geschäftliche Kooperationen erweisen. Aber ganz gleich, was als Nächstes passiert – letztendlich hat es wirklich keine Nachteile, Freunde zu haben! Wenn Sie sich also für ein Doppelstudium entscheiden, arbeiten Sie, wie gesagt, hart, engagieren Sie sich, bringen Sie sich bei den studentischen Vertretern der Fakultät ein, vergessen Sie nicht, Freunde zu finden, und genießen Sie einfach eine der schönsten Zeiten Ihres Lebens. Und natürlich sollten Sie bei der Bewerbung und Organisation des Doppelstudiums proaktiv vorgehen, aber zögern Sie auch nicht, Fragen zu stellen – die Universitäten helfen Ihnen gerne weiter.
Sie haben Ihren Abschluss in International Business and Social Sciences erworben. In welchen Berufsfeldern können Sie sich mit diesem Abschluss bewerben?
Nun, meiner Erfahrung nach bietet ein Wirtschaftsstudium die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten, da jede Art von Unternehmen oder Institution in irgendeiner Weise auf betriebswirtschaftliche Kenntnisse angewiesen ist. Das bedeutet, es geht im Wesentlichen darum, herauszufinden, für welchen Bereich Sie sich am meisten interessieren und in dem Sie sich engagieren möchten, wie zum Beispiel im Ingenieurwesen. Der Bachelorabschluss in International Business dient Ihnen als gute erste Grundlage, um die grundlegenden Abläufe der Betriebswirtschaftslehre zu verstehen. Durch die Arbeit in dem Bereich, der Sie fasziniert, werden Sie sicherlich viele zusätzliche Erfahrungen sammeln. Alternativ könnten Sie sich auch dafür entscheiden, Ihre Fähigkeiten durch einen Masterabschluss zu vertiefen.
Was sind Ihre konkreten Pläne für die Zukunft und warum?
Ich interessiere mich am meisten für den Vertrieb, der für mich der faszinierendste Bereich der Betriebswirtschaftslehre ist, insbesondere der internationale Vertrieb. Mein Karriereziel ist es, als Vertreter für Unternehmen in Deutschland und auf der ganzen Welt tätig zu sein. Und um die Frage nach dem „Warum“ zu beantworten: Was mich am meisten antreibt, sind Herausforderungen, Fortschritt und Verantwortung. Meiner Ansicht nach gibt es keinen anderen Bereich, in dem diese drei Eigenschaften stärker zum Tragen kommen. Zunächst einmal und vor allem zeigen mir meine jüngsten Erfahrungen, dass der Weg zur erfolgreichen Bewältigung der heutigen Herausforderungen im Vertrieb in der Teamarbeit liegt. Ich habe gelernt, dass die Eigenverantwortung und die erfolgreichen Vertriebsfähigkeiten jedes einzelnen Teammitglieds entscheidend für eine effektive Teamarbeit sind und gleichzeitig jedes Mitglied des Vertriebsteams von der gemeinsamen Gruppenarbeit profitiert. Die grundlegende Herausforderung besteht darin, die eigenen individuellen Fähigkeiten und Anstrengungen mit denen des Teams abzustimmen. Zweitens werden Sie jeden Tag zwangsläufig neue Kunden mit neuen Anforderungen treffen, die Sie herausfordern, herauszufinden, wie Sie deren Bedürfnisse erfüllen können, und schließlich ist Fortschritt ein integraler Bestandteil des Handels, da beispielsweise im Technologiebereich das Geschäft weiter wächst und sich entwickelt. Für mich ist es eine sehr lohnende Tätigkeit, mich diesen Herausforderungen direkt zu stellen und Lösungen zu finden. Ein Wirtschaftsstudium eröffnet viele Möglichkeiten; Sie können eine Karriere in der Buchhaltung, im Finanzwesen, im Marketing oder in jedem anderen Bereich verfolgen, den Sie mögen – und mein „jeder Bereich, den Sie mögen“ ist der Vertrieb. Davon bin ich absolut überzeugt, und ich bin ziemlich froh darüber, denn ich habe lange gebraucht, um das herauszufinden.
Nun, da Sie die Hochschule Rhein-Waal und den Campus in Kleve verlassen … Was werden Sie am meisten vermissen?
Das ist eine schwierige Frage … was werde ich am meisten vermissen? Ich glaube, am meisten werde ich die internationale Atmosphäre der Hochschule vermissen. Mir ist bewusst, dass diese Eigenschaft schon so oft erwähnt wurde, dass sie für manche vielleicht etwas abgedroschen klingt, aber es ist wirklich von großem Wert, mit Menschen aus aller Welt zusammen zu sein und zu erfahren, wie sie denken und woran sie glauben. Die Welt rückt jeden Tag mehr und mehr zusammen, und am Campus Rhein-Waal kann man buchstäblich nach draußen schauen und miterleben, wie dies geschieht. Meiner Meinung nach haben die Studierenden der Hochschule Rhein-Waal großes Glück: Sie haben die Möglichkeit, diese äußerst wertvolle und wachsende Vernetzung der Welt bereits in einem frühen Lebensabschnitt zu erleben.
Zeitpunkt des Interviews: Dezember 2017