Interview
Warum haben Sie sich für das Studium „Nachhaltiger Tourismus“ an der Hochschule Rhein-Waal entschieden?
Bevor ich mein Studium begann, absolvierte ich zunächst eine Ausbildung zum Hotelkaufmann. Als ich mich damals entschied, einen Bachelor-Abschluss anzustreben, war die Hochschule Rhein-Waal der einzige Ort in Deutschland, an dem ich einen Studiengang im Bereich „Nachhaltiger Tourismus“ belegen konnte – und das war mir sehr wichtig. Meine Auslandsreisen hatten mir gezeigt, wie verheerend die negativen Auswirkungen des Tourismus auf Gastländer und lokale Gemeinschaften sein können. Auch wenn Reisen niemals vollständig nachhaltig sein können, können wir zumindest aktiv daran arbeiten, sie so verantwortungsbewusst und umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.
Was mich außerdem an der Hochschule Rhein-Waal gereizt hat, war die schöne Campus-Atmosphäre und ihre starke internationale Ausrichtung – ich hatte sofort das Gefühl, dass dies der richtige Ort für mich war.
Sie haben Ihren Abschluss mitten in der Corona-Pandemie gemacht. Wie sahen Ihre nächsten Karriereschritte aus?
Ursprünglich hatte ich geplant, direkt nach meinem Bachelor internationale Berufserfahrung zu sammeln. Aufgrund der Corona-Pandemie entschied ich mich jedoch, mein Studium fortzusetzen und einen Master in Nachhaltiger Entwicklung an der Fachhochschule Bochum zu absolvieren, während ich in Köln lebte. Danach hatte ich die Gelegenheit, einige wirklich unvergessliche Berufserfahrungen im Ausland zu sammeln, unter anderem in einer Safari-Lodge in Kenia, die als gemeindebasierte Initiative von Massai-Kriegern geführt wird. Es war eine unglaubliche und aufschlussreiche Erfahrung, die mir ein tieferes Verständnis für nachhaltigen Tourismus in der Praxis vermittelt hat. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wurde die Stelle beim Hotelverband frei.
Sie arbeiten derzeit als Nachhaltigkeitsbeauftragte für den Deutschen Hotelverband in Berlin. Bitte erzählen Sie uns mehr über Ihre Aufgaben.
Als Verband vertreten wir auf politischer Ebene die Interessen von rund 1.500 Mitgliedern aus der deutschen Hotelbranche. Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit besteht auch darin, komplexe politische Entscheidungen und Entwicklungen zum Thema Nachhaltigkeit so aufzuschlüsseln, dass sie für unsere Mitglieder verständlich und relevant sind.
Dementsprechend arbeite ich sehr projektorientiert. Vor kurzem haben wir beispielsweise ein ESG-Tool eingeführt, das Hotels bei ihrem Weg zur nachhaltigen Transformation unterstützen und ihnen helfen soll, die immer komplexer werdenden Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erfüllen.
Darüber hinaus bin ich in mehreren Arbeitsgruppen tätig. Derzeit arbeite ich beispielsweise gemeinsam mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) und Nachhaltigkeitsmanagern verschiedener Hotels daran, einen praktischen Leitfaden für zukünftige Nachhaltigkeitsstandards in der Hotellerie zu entwickeln.
Außerdem stehe ich in regelmäßigem Kontakt mit Nachhaltigkeitsbeauftragten unserer Mitgliedshotels, schreibe Artikel, besuche Konferenzen und Messen und bin häufig auf Reisen – manchmal sogar quer durch Europa in Zusammenarbeit mit unserem Dachverband HOTREC. Zudem organisiere ich unsere „Nachhaltigkeits-Roadshow“ und nehme regelmäßig daran teil, wo ich in verschiedenen deutschen Städten Vorträge halte und Diskussionen moderiere.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?
Was mir an meinem Job am besten gefällt, ist die unglaubliche Vielfalt der Aufgaben und die Möglichkeit, die zukünftigen Standards einer nachhaltigeren Hotellerie aktiv mitzugestalten.
Außerdem schätze ich die Gelegenheiten zum Reisen und zum Treffen mit wichtigen Akteuren der Branche sehr, wodurch ich mir ein starkes berufliches Netzwerk aufbauen kann. Die Flexibilität und Eigenverantwortung, die ich in unserer Abteilung habe, machen jeden Tag einzigartig und spannend. Und vor allem schätze ich das Vertrauen und den Freiraum, den mir mein Chef entgegenbringt, was mich befähigt, Eigeninitiative zu zeigen und mich weiterzuentwickeln. Diese Rolle fordert mich ständig heraus, meine Komfortzone zu verlassen und jeden Tag etwas Neues zu lernen.
Welche Fähigkeiten haben Sie während Ihres Studiums erworben, die sich für Ihre Karriere als besonders nützlich erwiesen haben?
Natürlich habe ich mir während meines Studiums eine solide Grundlage an theoretischem Wissen angeeignet, die mir ein umfassendes Verständnis der Tourismusbranche vermittelt und mich gut auf meine Karriere vorbereitet hat. Besonders spannend fand ich jedoch die praktischen Exkursionen und Feldausflüge, die regelmäßig von Professor Dr. Reiser mit großem Engagement organisiert wurden.
Über die akademischen Inhalte hinaus habe ich im Studium verschiedene wichtige Soft Skills gelernt: wie man persönliche Unsicherheiten wie die Angst vor öffentlichen Auftritten überwindet und wie man dank des täglichen Austauschs mit internationalen Studierenden sicher auf Englisch kommuniziert. Außerdem habe ich gelernt, motiviert zu bleiben und meine Arbeit effektiv zu strukturieren – Fähigkeiten, die mir auch heute noch in meinem Berufsleben zugutekommen.
Ab diesem Wintersemester wird „Nachhaltiger Tourismus“ auf Englisch statt auf Deutsch unterrichtet. Was halten Sie von dieser Änderung?
Ich halte dies für eine sehr kluge und zeitgemäße Entscheidung, da kaum eine Branche so international ist wie der Tourismus. Außerdem wird das Studium dadurch wahrscheinlich vielfältiger und internationaler, da es zukünftige Changemaker zusammenbringt, die die Nachhaltigkeit im Tourismus weltweit vorantreiben können.
Welchen Rat haben Sie für zukünftige Studierende des Studiengangs „Nachhaltiger Tourismus“?
Nehmt das Studium in vollen Zügen wahr: Engagiert euch in lokalen Initiativen, nehmt an Exkursionen und außercurricularen Programmen teil und erwägt, euch in den politischen Gremien oder Studentenvertretungen der Universität zu engagieren, um das Campusleben und die Hochschulpolitik mitzugestalten.
Nach dem Abschluss habt ihr die Möglichkeit, in spannenden Positionen zu arbeiten und dazu beizutragen, die schönste Branche der Welt nachhaltiger zu gestalten – eine wahrhaft wegweisende Arbeit! Aber vor allem: Genießt diese einzigartige und aufregende Zeit in eurem Leben. Ich werde immer mit einem breiten und dankbaren Lächeln auf meine Jahre in Kleve zurückblicken!
Zeitpunkt des Interviews: Juli 2025