Fashion Revolution Week 2026

Vom Einsturz von Rana Plaza hin zu einer weltweiten Bewegung für Veränderung: Die Fashion Revolution Week macht auf die verborgenen Kosten von Fast Fashion aufmerksam – und auf die Menschen hinter unserer Kleidung. Die Katastrophe hat das globale Bewusstsein für die Situation der überwiegend weiblichen Arbeitskräfte in der Textilindustrie des Globalen Südens geschärft und viele dazu bewegt, sich für fairen Handel zu engagieren. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen nachhaltig und grundlegend zu verbessern. Auch an der Hochschule Rhein-Waal setzen sich seit 2017 Studierende und Mitarbeitende mit vielfältigen Initiativen für Fair Trade, ethische Produktion und nachhaltige Konsumentscheidungen ein.

Die Fashion Revolution Week ist aus dem Fashion Revolution Day hervorgegangen, der an den Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch erinnert – das schwerste Unglück in der Geschichte der Textilindustrie. Im Jahr 2013 stürzte in Savar nahe Dhaka ein achtstöckiges Gebäude ein, in dem sich mehrere Textilfabriken, eine Bank und Wohnungen befanden. Teile des Gebäudes waren ohne Genehmigung errichtet worden. Bereits am 23. April wurden große Risse entdeckt. Während Geschäfte und Bank im Erdgeschoss sofort schlossen, ignorierten die Fabrikbetreiber die Warnungen und zwangen die verängstigten Arbeiterinnen und Arbeiter, weiterzuarbeiten. Am 24. April 2013 kollabierte das Gebäude vollständig – 1.134 Menschen verloren ihr Leben, rund 2.500 wurden verletzt.

Doch Rana Plaza war zwar die tödlichste, aber nicht die einzige Katastrophe. Nur wenige Monate zuvor kamen bei einem Fabrikbrand in Dhaka über 120 Menschen ums Leben. Schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichende Sicherheitsmaßnahmen und extrem lange Arbeitszeiten führen immer wieder zu schweren Unfällen, gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod. Hinzu kommen niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten und die Trennung von den eigenen Kindern. Diese Probleme betreffen nicht nur Bangladesch, sondern viele Produktionsländer, in denen Arbeitsschutzgesetze fehlen oder unzureichend umgesetzt werden.

In Ländern wie Bangladesch und anderen asiatischen Staaten produzieren Textilfabriken regelmäßig für bekannte internationale Marken. Die Tragödie von Rana Plaza machte die verborgene Realität der Modeindustrie sichtbar und wurde zu einem Wendepunkt. In der Folge wurde das sogenannte Bangladesh Accord ins Leben gerufen, ein Abkommen zur Verbesserung der Sicherheitsstandards in der Textilindustrie. Zahlreiche Unternehmen verpflichteten sich zu unabhängigen Kontrollen ihrer Produktionsstätten sowie zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen wie Feuerleitern und Notausgängen. Andere wiederum hielten Abstand zu solchen Vereinbarungen und lehnten verbindliche Sicherheitsabkommen ab.

Die Aktivistinnen Carry Somers und Orsola de Castro gründeten 2014 – ein Jahr nach dem Unglück – den Fashion Revolution Day. Seit 2016 hat sich daraus die Fashion Revolution Week entwickelt. Ziel der Bewegung ist es, Transparenz in der Modeindustrie zu schaffen und Konsumentinnen und Konsumenten dazu zu ermutigen, Kleidung zu kaufen, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Die Kampagne verbreitete sich rasch weltweit: Menschen in Europa, den USA und Indien beteiligten sich, und der Hashtag #WhoMadeMyClothes wurde zeitweise zum meistgenutzten Hashtag auf Twitter. Millionen Menschen posteten Fotos ihrer Kleidungsetiketten, um auf die Herkunft ihrer Kleidung aufmerksam zu machen.

Die Bewegung geht dabei über das Unglück von Rana Plaza hinaus. Sie thematisiert grundlegende Fragen zu Arbeitsrechten, fairer Bezahlung und den ökologischen Auswirkungen der Modeindustrie. Heute findet die Fashion Revolution Week in rund 80 bis 100 Ländern statt.

Kurz nach dem Start der Bewegung schlossen sich weltweit Schulen, Hochschulen und Organisationen an. Auch an der Hochschule Rhein-Waal engagieren wir uns seit vielen Jahren für fairen Handel sowie nachhaltige Produktions- und Konsummuster – seit 2017 auch offiziell als Fairtrade University. Dazu gehört unter anderem, dass auf beiden Campus Fair-Trade-Produkte angeboten werden und bei offiziellen Veranstaltungen fair gehandelter Kaffee und Tee ausgeschenkt wird.

Die Studierenden unserer Fairtrade-Initiative organisieren regelmäßig interaktive Aktionen, die soziale und ökologische Nachhaltigkeit erlebbar machen. Dazu zählen Batik-Workshops, in denen individuelle Fair-Trade-Taschen gestaltet werden, Kurse zur Herstellung wiederverwendbarer Bienenwachstücher als Alternative zu Plastik sowie Quizabende rund um die Geschichte und Herausforderungen des Fairen Handels. Begleitend vermitteln diese Veranstaltungen auch Wissen über globale Produktionsbedingungen und die Bedeutung von Fair Trade.

Die Fashion Revolution Week erinnert uns daran, dass jede Kaufentscheidung zählt – und dass hinter jedem Kleidungsstück ein Mensch steht.

References:

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