Arbeitssicherheit: Kostenfaktor oder Mehrwert für Unternehmen?

Für Sebastian van den Borg ist die Antwort klar. Der Sicherheitsingenieur und HSRW-Alumnus (Studiengang "Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene") schlägt täglich die Brücke zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Im Interview verrät er, wie er für sicherere Arbeitsplätze sorgt, warum sein Studium an der Fakultät Life Sciences die perfekte Basis dafür war und wie er Festanstellung und Selbstständigkeit erfolgreich miteinander verbindet. Wie gelingt ihm dieser Spagat?

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Sicherheitsingenieur Sebastian van den Borg auf einer Baustelle mit Helm

Sebastian van den Borg ist Absolvent des Bachelorstudiengangs Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Heute arbeitet er erfolgreich an der anspruchsvollen Schnittstelle zwischen Technik und Management, hauptberuflich als EHS-Manager für rund 270 Mitarbeitende in einem mittelständischen Unternehmen am Niederrhein und nebenberuflich mit seinem eigenen Beratungsunternehmen „Arbeitssicherheit van den Borg“.

In seinem beruflichen Alltag geht es um weit mehr als nur das reine Einhalten von Vorschriften. Es geht um den aktiven Schutz von Menschen, um Rechtssicherheit für Führungskräfte und darum, Managern aufzuzeigen, dass Arbeitssicherheit keine „Produktionsbremse“ ist, sondern bares Geld spart.

Im folgenden Interview blickt Sebastian van den Borg auf seine Studienzeit zurück. Er erklärt, warum ein breites naturwissenschaftliches Basiswissen unerlässlich ist, teilt spannende Einblicke in seinen facettenreichen Berufsalltag und gibt zukünftigen Studierenden einen essenziellen Rat für ihren eigenen Karriereweg mit.

Warum haben Sie sich damals für den Studiengang "Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene" an der Hochschule Rhein-Waal entschieden? 

In der Abi-Zeit war ich noch recht planlos, wie ich mich beruflich entwickeln wollte. Daher nutze ich einige Messen und auch Probestudientage, unter anderem einen Tag der offenen Türe an der Hochschule Rhein-Waal. Die vorgestellten Themen im Bereich "Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene" haben mich sofort abgeholt – auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnte, dass es mich in Richtung Arbeitssicherheit zieht, war mir klar – das hat Zukunft! Themen wie Arbeitssicherheit & Qualität sind in jedem Unternehmen wichtig. Hinzu kam der Studienort, als gebürtiger Klever bin ich gerne in meiner Heimat geblieben. Ein Leben in einer Großstadt in einer Studenten-WG wäre nichts für mich gewesen. 

Was sollten Studieninteressierte wissen, wenn sie sich für diesen Bachelorstudiengang entscheiden?

Studieninteressenten sollten wissen, dass man durch den "Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene"-Studiengang ein sehr breites Basiswissen in den Bereichen bekommt. Die Bereiche hängen alle zusammen und selbst wenn man sich hinterher auf einen der Bereiche spezialisiert, profitiert man sehr davon, auch die anderen Bereiche zu kennen und zu verstehen. Ein Beispiel: Ich konzentriere mich beruflich auf die Arbeitssicherheit, habe aber jeden Tag große Schnittstellen zu den Bereichen Umwelt und Qualitätsmanagement. Eine gewisse Affinität zu naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie und Mathematik sollte man durchaus mitbringen. 

Sie bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Technik und Management. Welche Kompetenzen haben Sie durch Ihr Studium erworben, die Sie heute in Ihrem Beruf besonders gut einsetzen können? Wie erklären Sie beispielsweise einem kaufmännischen Geschäftsführer, der vor allem auf das Budget schaut, dass eine teure Investition in Sicherheit am Ende bares Geld spart?

Die Grundlagen in den ersten beiden Semestern waren für mich damals „überraschend“ stark auf die MINT-Fächer ausgelegt und daher teilweise wirklich fordernd. Ich nutze dieses breitgefächerte erlernte naturwissenschaftliche Basiswissen jedoch heute jeden Tag im beruflichen Alltag. Ergänzende Skills aus dem Studium wie Kommunikation und Konfliktmanagement helfen darüber hinaus ungemein. Am Ende ist es aber oft einfache Mathematik, die die Geschäftsführung umstimmt. Investitionen tun zwar im ersten Moment oft weh, die Kosten eines ernsten Arbeitsunfalls und damit verbundene Ausfallzeiten schlagen diese doch meistens um ein Vielfaches. 

Fachkräfte für Arbeitssicherheit werden oft fälschlicherweise als „Bedenkenträger“ oder „Produktionsbremse“ gesehen. Mit welchem Argument überzeugen Sie Neukunden davon, dass Sie kein Kostenfaktor sind, sondern ein Qualitätsmerkmal, mit dem man werben kann?

Gute Frage. Ich würde es nicht mal unbedingt Qualitätsmerkmal nennen, sondern viel eher notwendig um Rechtssicherheit zu schaffen. Das soll insbesondere Unternehmern kleinerer Firmen natürlich keine Angst machen, jedoch muss jedem Geschäftsführenden klar sein, dass der Faktor persönliche Haftung im Bereich Arbeitssicherheit immer im Raum steht, bereits ab dem ersten Mitarbeitenden. Wenn man sich um das Thema kümmert und seine Mitarbeitenden aktiv schützt bzw. sichere Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, muss man sich keine Gedanken darum machen. Mal ganz davon abgesehen, dass Arbeitsunfälle immer mit Ausfallzeiten verbunden sind, die sich insbesondere kleine und mittelständische Firmen oft nicht leisten können. Geschäftsführende haben in der Regel so viele Themen auf dem Tisch, dass das Thema Arbeitssicherheit (was durchaus komplex sein kann) oftmals keinen Platz findet. Wenn man hier mit einem Dienstleister auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann, ist das Thema Arbeitssicherheit zumindest ein Thema weniger, was einen nachts schlecht schlafen lässt. Und mal ehrlich - würden Sie als Arbeitnehmer lieber in einem Unternehmen arbeiten, dass alles darauf ausrichtet, dass Sie abends wieder gesund nach Hause gehen oder in einem Unternehmen, wo das eher Glückssache ist? 

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Job?

An meinem Job gefällt mir besonders gut, echten Mehrwert für ALLE zu schaffen. Dem Arbeitgeber / Unternehmer gibt man durch das eigene Fachwissen Rechtssicherheit. Den Arbeitnehmern gegenüber kann man ein wesentlich attraktiveres Arbeitsumfeld schaffen. Auch wenn Arbeitssicherheit oftmals „trocken“ und „bürokratisch“ wirkt und viele Menschen anfangs Berührungsängste haben oder sogar Ablehnung zeigen. Am Ende des Tages zählt doch nur eins – wir wollen abends alle wieder gesund nach Hause kommen! 

Viele Studierende träumen von der Selbstständigkeit, scheuen aber das Risiko. Was ist für Sie persönlich der größte Vorteil daran, Ihr eigener Chef zu sein?

Fairerweise ist die Selbständigkeit ein reines Nebengewerbe. Ich arbeite fest angestellt als EHS-Manager und interne Fachkraft für Arbeitssicherheit in einem mittelständischen Unternehmen mit derzeit rund 270 Kolleginnen und Kollegen hier am Niederrhein. Einerseits genieße ich die Vorzüge des „Arbeitnehmerseins“, Stichwort Krankenkasse und feste Strukturen. Klare Aufgaben mit Umsetzungsverantwortung und nicht nur reines „Beraten“ machen mir Spaß. Die Selbständigkeit im Nebengewerbe bietet mir aber den großen Vorteil, darüber hinaus viele Unternehmen und Prozesse kennenzulernen. Dabei kann ich den Unternehmern echten Mehrwert durch fachgerechte Beratung zu bieten, für die die meisten selbst gar keinen Kopf für frei hätten. Täglich beide Seiten erleben zu dürfen ist ein spannender Spagat, bei dem ich immer dazulernen kann. 

Was ich den zukünftigen Studentinnen und Studenten mitgeben möchte: Egal welche Rolle ihr bevorzugt, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – "Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene" bietet euch die besten Voraussetzungen dafür sowohl in der freien Wirtschaft, im öffentlichen Dienst oder auch in Selbständigkeit die Karriereleiter hochzuklettern. Ein Faktor, den ich zum Studienbeginn nicht bedacht habe, aber heute sehr zu schätzen weiß. 

Wenn Sie heute dem Studenten Sebastian van den Borg an der Fakultät Life Sciences einen einzigen Rat für den Start ins Berufsleben geben könnten, welcher wäre das?

Mach beruflich, was dir Spaß macht. 

Es gibt so viel Neues und Tiefergehendes zu Lernen, Tag für Tag. Im Laufe des Berufslebens baut man ein enormes Fachwissen auf, was Anfangs sicherlich an der einen oder anderen Stelle noch fehlt und manchmal auch erschlagend wirken kann. Aber mit den Jahren wird man sicherer und selbstbewusster, das nimmt auch das Umfeld so wahr. Das Berufsleben ist ein großer Bestandteil unseres Lebens, daher sollte man auch wirklich dem nachgehen, was einem Spaß macht und worin man aufgehen kann. Das zu finden, kann dauern und ist manchmal sicherlich nicht der „einfachste“ Weg, den man wählen kann – aber es lohnt sich. 

 

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