Der Wandel der Krankenhausversorgung

Deloitte Health Care Indicator - Entwicklung eines Prognose-Instruments zur Berechnung des regionalen Bedarfs von Krankenhauskapazitäten

Fallzahlen und Belegungszahlen werden weiter ansteigen. Der Bedarf nach Krankenhauskapazitäten wird so zunehmen, dass sich derzeitige Überkapazitäten bis 2025 auf nahezu Null reduzieren.  Die Altersgruppe der über Sechzigjährigen wird die zukünftige Bedarfsentwicklung bestimmen. Krankenhaus-, Patientenvertreterinnen und -vertreter sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker verweisen zu Recht auf die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgungssicherheit.

Bild
by-sassi / pixelio.de

Kleve/Kamp-Lintfort, 21. September 2015: Prof. Dr. Frank Schmitz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Rhein-Waal, entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Analytics Institute und dem Health Care Consulting von Deloitte, ein Prognose-Instrument für eine objektive und valide Bestimmung des künftigen Versorgungsbedarfs, den „Deloitte Health Care Indicator“. Prof. Dr. Frank Schmitz erklärt: „Dieser Indikator ermöglicht eine Prüfung und Erfassung, ob Maßnahmen zum Ab- oder Umbau bestehender Über- und Unterkapazitäten an Krankenhäusern auch in Zukunft noch sinnvoll sind“.

Die Grund- und Notfallversorgung der Einwohnerinnen und Einwohner in Deutschland ist derzeit durch die rund 2000 Krankenhäuser flächendeckend und wohnortnah gewährleistet. Durch die politischen und gesellschaftlichen Anforderungen sowie den demographischen Wandel unterliegen die Krankenhäuser einem stetigen Veränderungsprozess. Die regionale Über- bzw. Unterversorgung der Bevölkerung steht dabei auch im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion zum Kranken-hausstrukturgesetz: denn in städtischen und ländlichen Regionen besteht ein erhebliches Ungleichgewicht in Bezug auf den zukünftigen Bedarf nach stationären Krankenhausleistungen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und die Bertelsmann Stiftung stellten erst kürzlich die unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerung zwischen einzelnen Städten und Regionen fest. Dies hat  massive Konsequenzen auf den Bedarf zukünftiger Gesundheitsinfrastruktur.

Die Entwicklung zukünftiger Fallzahlen weist erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Region und die medizinischen Disziplinen auf. So liegt im Osten Deutschlands ein geringerer Zuwachs der stationären Fälle als im Westen und im Norden ein geringerer als im Süden vor. Alle medizinischen Disziplinen bis auf die Frauenheilkunde weisen einen steigenden Bedarf auf. Deutschlandweit wird bis zum Jahr 2030 die Anzahl der Fälle in deutschen Krankenhäusern um 2,4 Mio. Fälle zunehmen. Dann werden rund zwei Drittel der Bettenkapazitäten durch Patienten in Anspruch genommen die älter als 60 Jahre sind. Die Behandlungskosten werden um 31,2 Mrd. Euro bzw. 53,6 Prozent ansteigen.   

Die derzeit vorhandene Überkapazität an Krankenhausbetten von 6,0 Prozent wird sich demografisch bedingt bis 2025 auch ohne einen Abbau von Kapazitäten auf nahezu Null reduzieren. Bis 2030 kann ohne alternative Versorgungsmodelle von einem zusätzlichen Bedarf in Höhe von 1,7 Prozent ausgegangen werden. Anstelle eines Abbaus von derzeitigen Überkapazitäten sollte ein auf die Zukunft gerichteter Umbau erfolgen sagt Prof. Dr. Frank Schmitz.  

Mit dem entwickelten „Deloitte Health Care Indicator“ können Kostenträger und Bundespolitiker neue Impulse für die Krankenhausbedarfsplanung setzen. Einzelnen Marktteilnehmern der Gesundheitswirtschaft bietet der „Deloitte Health Care Indicator“ darüber hinaus die Möglichkeit, ihre strategischen Entscheidungen auf einer validierten Prognose zukünftiger regionaler Nachfrageentwicklungen treffen zu können.

Information