08.12.2020

Projekt zur Untersuchung des Grundhochwassers an der Issel im Raum Hamminkeln erfolgreich abgeschlossen

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt hatte zum Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Grundwasser und Oberflächengewässern an einem konkreten Beispiel zu untersuchen. Anlass für die Studie waren die Hochwasserereignisse im Issel-Einzugsgebiet im Juni 2016. Insgesamt zwei Jahre hatte das Forscher*innenteam der Hochschule Rhein-Waal, geleitet von Prof. Kleinke, in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ProAqua Ingeneursgesellschaft für Wasser- und Umwelttechnik mbH für die Untersuchung. Die Präsentation der Ergebnisse fand im Oktober 2020 in Hamminkeln statt.

Die Issel entspringt in der Nähe von Borken (NRW), macht ihren Weg durch die Niederlande und mündet am Ende ins IJsselmeer. In den Niederlanden ist der Fluss als Oude IJssel bekannt und soll bereits zur Zeit des antiken Roms für die Landwirtschaft genutzt worden sein. 2016 stieg das Wasser in der Issel einmal mehr an. Der darauf folgende Anstieg des Grundwassers, der auch noch Wochen nach Abklingen der Hochwasserwelle anhielt, brachte Schaden für Bewohner und Landwirtschaft der umliegenden Region. Schutzmaßnahmen wie Poldersteuerung am Rhein oder Dichtschürzen in den Abgrabungsseen im umliegenden Gebiet brachten zunächst keine kurzfristige Besserung.

Um die damals aufgetretenen Probleme nachvollziehen zu können, wurde vom Ingenieurbüro ProAqua ein Grundwassermodell erstellt. In einer umfangreichen Datensammlung wurden zahlreiche Messungen der Wasserstände, Niederschlagsmengen, Grundwasserstände etc. zusammengeführt, was das Entstehen eines hydrologischen Modells, welches die Hochwasserereignisse 2016 realitätsnah abbildet, ermöglichte. Das dreidimensionale Modell umfasst nicht nur die Zusammenhänge der Fließgewässer (Rhein, Issel, Lippe) und Stillgewässer (Abgrabungen, Altarme, Polder) mit dem Grundwasser, sondern auch die großräumigen Strömungsprozesse. Eine der zentralen Fragen war es zu verstehen, wie das Grundhochwasser im Untersuchungsgebiet entsteht.

Die Aufgabe der Hochschule war es, etwaige Auswirkungen der Maßnahmen des angepassten Hochwasserschutzkonzeptes auf die Landwirtschaft zu untersuchen. So wurden die im Gebiet vorherrschenden Anbaukonzepte und -kulturen analysiert und ausgewertet. Nachteilige Auswirkungen durch die neuen Maßnahmen auf die Grundwasserentwicklung im Hochwasserfall jedoch konnten nicht festgestellt werden.

Die Studie lieferte noch weitere interessante Ergebnisse. So sind weder die Poldersteuerung noch die Dichtschürzen für das Grundhochwasser ursächlich. Stattdessen war das Hochwasser 2016 eher auf eine Kombination aus Flusshochwasser und langanhaltenden Niederschlägen zurückzuführen. Aufgabe der Landwirt*innen war und wird also auch weiterhin bleiben, das Hochwasserrisiko gegen die Vorzüge einer guten Wasserversorgung über das Grundwasser im Gebiet abzuwägen und darauf aufbauend die Anbauentscheidung zu treffen. Eine Befragung der Landwirt*innen stellte zudem überraschend fest, dass die zunehmende Trockenheit eine noch größere Gefahr für die betroffenen Gebiete darstellt.