30.11.2021

Lehrpreis 2021 der Hochschule geht an Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber

Lehre an einer Hochschule findet normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in geschützten Räumen statt. Seit letztem Freitag ist sie für alle erlebbar: in der Ausstellung „Der nackte Körper“ im Museum Kurhaus Kleve. Die Schau ist eine erstmalige Zusammenarbeit zwischen dem Kunsthaus und der Hochschule. Für dieses einzigartige Projekt wurde Initiatorin Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber nun mit dem Lehrpreis der Hochschule ausgezeichnet.

Die sechsköpfige Jury würdigt das Engagement und das Konzept, das eine Strahlkraft in die ganze Region hat. „Der nackte Körper – eine Frage der Perspektive“, so lautet die Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve, die bis Mitte Januar 2022 besucht werden kann. Studierende des Bachelorstudienganges Gender und Diversity haben sie gemeinsam mit ihrer Dozentin Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber über das vergangene Jahr hinweg als Jungkurator*innen realisiert. Das aus Landesmitteln geförderte Projekt beschäftigt sich mit Nacktheit und verschiedenen Perspektiven auf diese. Wie der nackte Körper bewertet wird, und ob ein Körper als nackt angesehen wird, hängt maßgeblich vom historischen, religiösen, sozialen und kulturellen, aber auch politischen Kontext ab. In der Arbeit, die im Rahmen des Moduls „(Museum) Project“ entstand, beschäftigten sich die Studierenden mit Fragen wie: Wie können die Grenzen dessen, was gesellschaftlich als schön empfunden wird, erweitert werden? Wie kann Nacktheit künstlerisch so dargestellt werden, dass sie Ausdruck von Selbstermächtigung, Kraft oder auch Ruhe ist? Wie können künstlerische Positionen eine kolonial geprägte, weiße Perspektive auf den nackten Körper überwinden? 

Die Studierenden widmeten sich der Analyse von Geschlechterverhältnissen in Zusammenspiel mit anderen Kategorien sozialer Ungleichheit (wie beispielsweise ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Alter, sexueller Orientierung u.a.). Die Auseinandersetzung mit Körper, Sexualität und auch Nacktheit spielt in den Gender and Diversity-Studies eine wichtige Rolle, gleichermaßen ist der nackte Körper in der bildenden Kunst durch alle Epochen und Stile hindurch ein ebenso vertrautes wie bedeutendes Sujet und bis heute allgegenwärtig. Dabei kann die künstlerische Auseinandersetzung mit dem nackten Körper sowohl gesellschaftliche (Macht-)Verhältnisse widerspiegeln, aber auch aufbrechen.

Begleitet wurden die Studierenden auf Seiten des Museum Kurhaus Kleve von dem Künstler, Kurator und Kunstvermittler Gerd Borkelmann, der Kunsthistorikerin, Museumspädagogin und Kunstvermittlerin Alexandra Eerenstein und der Kuratorin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums Kurhaus Kleve, Valentina Vlašić, sowie, von Seiten der Hochschule, von Professorin Eva Maria Hinterhuber, und, als Ideengeberin des Projekts und studentische Hilfskraft, Gender and Diversity-Studentin Crystal Hassell.

Prof. Dr. Tatiana Zimenkova, Vizepräsidentin für Internationales und Diversität, richtete Begrüßungsworte an die Anwesenden und betonte, dass in diesem Projekt Kunst und Wissenschaft zusammenkämen und eine besondere Kooperation sichtbar würde. Im Rahmen der Eröffnung verlieh Prof. Dr. Jörg Petri, Vizepräsident für Studium, Lehre und wissenschaftliche Weiterbildung auch im Namen der Jury den diesjährigen Lehrpreis an Prof. Dr. Hinterhuber für das außergewöhnliche Lehrformat. Vizepräsident Petri hob hervor, dass Lehre nun nicht nur öffentlich, sondern auch ästhetisch erfahrbar ist. Prof. Hinterhuber hat es verstanden, Lehre, die eigentlich unsichtbar hinter den Wänden der Hochschule stattfindet, sichtbar zu machen. Dadurch erhalten sowohl die Studierenden als auch die Öffentlichkeit einen sehr guten Einblick in die gelebte Anwendung von Lerninhalten“, so Petri. Professorin Hinterhuber freute sich, „an einer Hochschule zu arbeiten, die für Neues offen ist.“

Die Ausstellung wurde gefördert durch Ministerium für Kultur und Wissenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen, Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. 

Hintergrund: Lehrpreis an der Hochschule Rhein-Waal
Mit der Vergabe des Lehrpreises zeigt die Hochschule Rhein-Waal den hohen Stellen­wert, den die Qualität der Lehre innerhalb der Hochschule einnimmt und würdigt das Engagement ihrer Lehrenden. Der Lehrpreis wird unter einem jährlich wechselnden Leitthema vergeben und ist mit 4.000 Euro dotiert.

2021 wird der Lehrpreis aufgrund der weiterhin hauptsächlich online durchgeführten Lehre und der sehr schwer zur Entfaltung kommenden Studienkultur unter dem  Motto „Interaktion im Kontext der Lehre – Innovative Konzepte zur Förderung des Miteinanders im Lehr-Lern-Setting“ vergeben.

Nominiert werden kann jeder aus der Professorenschaft sowie alle wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Lehrkräfte für besondere Aufgaben, die im Sommersemester 2020, Wintersemester 2020/2021 und Sommersemester 2021 an der Hochschule Rhein-Waal gelehrt haben und in diesem Zeitraum innerhalb ihrer Lehre die Interaktion zwischen den Studierende und/oder zwischen Lernenden und Lehrenden gefördert und innovativ in das Lehrkonzept eingebettet haben. Eine sechsköpfige Jury entscheidet über die eingereichten Nominierungen. 2021 wurde der Lehrpreis zum elften Mal vergeben.

Zur Person: Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber
Die gebürtige Innsbruckerin hat an der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder) in vergleichender politischer Soziologie promoviert und zuvor Politikwissenschaft, Slawistik und Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin, der Staatlichen Universität St. Petersburg (Russland) und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Österreich) studiert. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fernuniversität Hagen sowie am Maecenata Institut in Berlin und war Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, Hochschulen und Postgraduate-Instituten im In- und Ausland. Darüber hinaus arbeitete sie für verschiedene Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Frauen- und Friedensarbeit. Eva Maria Hinterhuber ist Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung und Mitherausgeberin der „Femina Politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft“.

Seit 2014 ist Eva Maria Hinterhuber Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Hochschule Rhein-Waal. Ihre wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte sind Politische Soziologie, Partizipations- und Zivilgesellschaftsforschung, der Themenkomplex „Religion, Migration und Integration“ sowie Friedens- und Konfliktforschung, vor allem aus einer Genderperspektive. 

Bildnachweis
1: Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Petri und Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber bei der Ausstellungseröffnung von „Der nackte Körper“ im Museum Kurhaus Kleve
2: Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber (rechts) bei der Ausstellungseröffnung von „Der nackte Körper“ im Museum Kurhaus Kleve
© Victoria Grimm / Hochschule Rhein-Waal

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber
Professorin für Soziologie mit Schwerpunkt Genderforschung
Tel.: +49 (0) 2821 806 73-390
E-Mail: eva-maria.hinterhuber@hochschule-rhein-waal.de

 

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