Studienreise El Salvador

25 Studierende der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie der Hochschule Rhein-Waal bereisten im März 2019 das zentralamerikanische Land El Salvador. Im Rahmen des Kurses „Ökonomie, Ökologie und Ethik“ wurde es den Studierenden der Bachelor-Studiengänge Nachhaltiger Tourismus und International Relations ermöglicht, einen besonderen Einblick in ein fernes Land zu erhalten, sich sozial zu engagieren, wirtschaftlich zu interessieren und umweltschützende Maßnahmen kennen zu lernen. Wir reisten für 21 Tage in das Land, um vor Ort verschiedenste Institutionen kennenzulernen.

El Salvador ist ein kleines Land in Zentralamerika mit einer Einwohnerzahl von 7.332.000 Menschen auf einer Fläche von nur 21.041 km². Zum Vergleich: El Salvador ist flächenmäßig ungefähr so groß wie das Bundesland Hessen.

Das Land ist bekannt für eine grüne und bergige Landschaft, besonders gute Surfplätze, Vulkane, eine interessante Historie, aber auch für seine hohe Kriminalitätsrate und eine schwierige Sicherheitslage. Tourismus wird hier allerdings kaum betrieben.

Mit diesem Beitrag möchte ich Neugier wecken. Neugier auf Neues, Unbekanntes und Fremdes. Ich möchte die Impressionen, die wir während der Reise gesammelt haben und die Erfahrungen, die wir in einem der „gefährlichsten Länder der Welt“ gemacht haben, hier teilen.

Oft hörten wir vor unserer Reise den Satz: „Ihr habt ein Leben… Mit 25 Studenten und Studentinnen nach El Salvador und Urlaub machen“ – Und was für ein Leben wir haben! Wir können uns wirklich glücklich schätzen, ein solch privilegiertes Leben führen zu können, uns in der Heimat sicher zu fühlen und mit Gewalt keinerlei Berührungspunkte zu haben. Und nein, für Urlaub war keine Zeit. Unser Programm war vollgepackt mit Besuchen in den verschiedensten Einrichtungen und Gesprächen mit unterschiedlichsten Menschen.

Wir besuchten viele verschiedene lokale Institutionen und Einrichtungen

So besuchten wir an einem Tag die Nicht-Regierungsorganisation Probusqueda, die sich für verschleppte Kinder einsetzt. An einem anderen Tag lernten wir einen ehemaligen Soldaten des Bürgerkriegs (1980-1992) und dessen Geschichte kennen. Noch heute beschäftigen wir uns ausgiebig mit seiner Lebensgeschichte und versuchen gleichzeitig Spenden zu sammeln, um ihn bei seinem sozialen Engagement zu unterstützen.

Auch lernten wir den Tourismusminister El Salvadors sowie die Koordinatorin des Öko-Tourismus des Tourismusministeriums (MITUR) kennen, um Einblicke in deren Tourismuskonzepte und -praktiken zu erhalten. Zusammen mit der Koordinatorin und weiteren Einheimischen reinigten wir die Flussmündung des Rio Lempas, um ein Zeichen gegen Plastikmüll und gegen die Umweltverschmutzung zu setzen.

Einen weiteren Programmpunkt stellte die Wanderung auf den Vulkan Conchagua dar. Dort besuchten wir eine EcoLodge, ein Hotel, das nach nachthaltigen Kriterien geführt wird, wo wir eine tolle Aussicht genossen und unter dem Sternenhimmel El Salvadors zelteten. Hier diskutierten wir die Frage, ob der Tourismus in El Salvador ausgebaut werden sollte und ob solch wunderschöne Orte privatisiert sein, oder für alle Menschen zugänglich gemacht werden sollten.

Außerdem besuchten wir die Nationalparks Montecristo und Metapán und unterhielten uns dort mit den Rangern über die derzeitige Situation in den Parks. Diese ist nämlich im Moment alles andere als einfach. Gerade nach dem kürzlich vollzogenen politischen Wechsel im Land sind die – ohnehin sehr knappen – Geldzuwendungen für die Parks unsicher. Auch die dort lebenden Gemeinden wissen nicht, wie ihr Bleibrecht im Park von der neuen Regierung gesehen wird.

Auch sozial waren wir stets engagiert, beispielsweise spielten wir an einem Nachmittag mit den Kindern einer Sonderschule auf deren Dachterrasse. Den Kontakt genossen Groß und Klein.

Ein weiterer Punkt war der Besuch des Gefängnis Yo Cambio, welcher uns einen interessanten Eindruck in das Leben der Insassen gegeben hat. Yo cambio heißt so viel wie „ich verändere mich“. Das Gefängnis ist nämlich besonders auf die Resozialisierung und Wiedereingliederung der Gefängnisinsassen ausgerichtet. Die meisten Gefangen in Yo Cambio werden bald entlassen, manche haben bereits Ausgang. Die dortigen Insassen haben sich sehr über den Besuch und die Abwechslung gefreut und uns ihren Alltag in dem Gefängnis gezeigt. Für uns war es spannend zu sehen, wie gut das überzeugende Programm zur Resozialisierung funktioniert.

Wie man sieht, war unser Programm äußerst umfangreich und wir lernten eine Menge dazu. Die verschiedenen Programmpunkte ließen auch Platz für die Anwendung des theoretisch erlernten Wissens. So konnten wir ein Gespräch mit einer Gemeinde im Nationalpark führen und sie zu verschiedenen nachhaltigen Tourismuspraktiken beraten.

Auch haben wir verschiedene Kontakte knüpfen können, bei denen Studierende ihr mögliches Praxissemester absolvieren oder sogar mit der entsprechenden Institution ihre Bachelorarbeit schreiben können. Außerdem möchten wir eine Partnerschaft zwischen der Universität San Salvador und der Hochschule Rhein-Waal entstehen lassen. Studierende aus El Salvador könnten dann einen Teil ihres Studiums als Auslandssemester an der Hochschule Rhein-Waal absolvieren. Das Ganze soll grundsätzlich dem internationalen Austausch und dem Sammeln neuer Erfahrungen dienen.

Es ist wichtig, dass man ein Land und die Leute, die das Land ausmachen, kennen lernt und sich mit den verschiedensten Institutionen vor Ort auseinander setzt. Nur so erhält man einen authentischen Einblick in das Land und versteht die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Strukturen.

Es ist interessant, neue Menschen kennenzulernen und das hat uns deutlich gezeigt, dass man mit offenen Augen durch die Welt laufen sollte. Hab deinen Topf der Erlebnisse und Erfahrungen immer dabei und höre niemals auf ihn zu füllen. Da draußen, in der großen weiten Welt, gibt es so vieles, was uns zum Handeln, zum Denken und zum Fühlen auffordert und was uns wiederum zeigt, wie gut es uns geht. Ich denke, das ist ein tolles Gefühl und jeder sollte sich tagtäglich daran erinnern.

Und wie fanden die Anderen die Reise?

„Ich kann mit sehr gutem Gewissen sagen, dass ich El Salvador kennen lernen durfte, weil ich nicht nur wie ein ganz normaler Tourist unterwegs war, sondern wirklich die Chance hatte Land und Leute, aus unterschiedlichen Klassen mit anderen Hintergründen, kennenzulernen.“ (Johannes Deregowski).

„Für mich war es wie ein Gefühlschaos. Wir erlebten viele traurige und belastende, aber gleichzeitig auch viele schöne Erlebnisse“ (Katinka Müller).

„Mich fasziniert der interkulturelle Austausch von Erfahrungen, Sichtweisen und Wissen. Auf das Diverse sollte man achten, wenn man Land und Leute determiniert. Lasst uns alle anfange ein Gemeinsames zu entwickeln, es würde uns allen nur helfen.“ (Jule Weidner)

 

Mein Fazit zur Frage: El Salvador, das Land der Kriminalität oder das Land der schönen Landschaft und der friedlichen Leute?

Mit Sicherheit sollte man stets die Sicherheitsanweisungen und Ratschläge der Einheimischen beachten. Das Land gilt nicht grundlos als eines der gefährlichsten der Welt. Allerdings haben vor allem die wirtschaftlichen Bereiche, wie der Tourismus, die Intention etwas zu verändern. Das Land hat landschaftlich und kulturell einiges zu bieten und ist es wirklich Wert, bereist zu werden. Wir möchten die Situation vor Ort nicht verharmlosen, aber vielleicht konnte ich Ihr Interesse wecken, das Land zu erkunden, die Leute vor Ort kennen zu lernen oder sich durch Spendengelder bei der Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V. zu engagieren. Bereits vier Studierende haben sich dazu entschlossen während ihres Praktikums in El Salvador weiter mit dem Verein zusammen zu arbeiten. Unsere Motivation zu helfen ist auf jeden Fall geweckt worden.

Eigentlich begann die Reise schon bevor wir uns überhaupt in das Flugzeug gesetzt haben. Durch die intensive Reisevorbereitung versuchten wir uns bereits vorab mit den Gegebenheiten in El Salvador auseinanderzusetzen. In Präsentationen und Diskussionen sprachen wir über Dos und Don’ts sowie die Sicherheit und Verhaltensregeln vor Ort.

Wir möchten uns als Gruppe bedanken. Bedanken bei den Sponsoren, die uns diese Reise ermöglicht haben. Vor allem senden wir ein großes Dankeschön an die Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V., denn ohne deren Hilfe, wäre diese Reise so gut wie gar nicht möglich gewesen.

Ein Erfahrungsbericht von Jule Weidner, Studentin im Bachelor-Studiengang Nachhaltiger Tourismus