13.02.2017

Begegnung mit Seniorinnen und Senioren lindert das Heimweh

Studierende der Hochschule Rhein-Waal besuchen das Herz-Jesu-Kloster

Alles an ihr ist zart, zurückhaltend, still. Die 26-jährige Anh Nguyen Minh Mai hat gerade ihr erstes Semester an der Hochschule Rhein Waal  in  Kleve hinter sich gebracht und spricht nur sehr wenig deutsch. Es ist ihr anzusehen, dass sie allen Mut braucht, um ihren Fuß ins Seniorenzentrum Herz-Jesu-Kloster an der Hagschen Poort in Kleve zu setzen. Aber die schüchterne Vietnamesin tut es. Alleine. Und wird sofort freundlich von der Einrichtungsleiterin Susanne Lamers in Empfang genommen. Sie ist der erste Gast an diesem Abend, der so bereits zum zehnten Mal stattfindet. Und ganz besonders ist. Denn es ist das monatliche „Having a Grand-friend“-Treffen, das die Tutoren des Welcome Centers an der HRW in Kooperation mit dem Seniorenzentrum Herz-Jesu-Kloster ins Leben gerufen haben. Ein Treffen für Begegnungen zwischen Jung und Alt, zwischen Kulturen und Religionen.

Julia Ilg, Leiterin des Welcome Centers, und Tutor David Duque setzen mit der „Grand- Friend“-Aktion vielfache Studierendenwünsche um. Denn mehr als 100 Nationalitäten treffen sich an der Hochschule Rhein-Waal, fernab von Familien und Heimat. „Die gemeinsame Sprache ist Englisch. Deutsch kommt oft zu kurz – die Studierenden wollen mehr Möglichkeiten haben, deutsch zu sprechen und sich kulturell auszutauschen“, erklären Duque und Ilg. Und die Begegnung mit den Senioren hilft ganz nebenbei auch das ein oder andere Mal Heimweh zu lindern.

Doch zurück zu Anh: sie bleibt nicht lange alleine. Weitere Studierenden treffen ein und Seniorinnen und Senioren gesellen sich dazu. Die 88-jährige Maria Boßmann beispielsweise. Die rüstige alte Dame setzt sich neben Anh, beide machen sich mit Handschlag bekannt und finden sofort ein Gesprächsthema. Denn Boßmanns Tochter lebte einst selbst in Vietnam, 4,5 Jahre lang, und schon findet sich zwischen Alt und Jung, Katholikin und Buddhistin, Niederrhein und Vietnam eine Gemeinsamkeit. Trotz erheblicher Sprachbarrieren.

Apropos Barrieren: „Die gibt’s kaum, eigentlich gar nicht. Zumindest nicht kultureller oder religiöser Art“, freut sich Monika van Uffelt, die das Projekt als Alltagsbegleiterin vom Seniorenzentrum aus betreut. „Meistens sind die Studierenden bei den Grand-Friends-Abenden eher zurückhaltend, während die Seniorinnen kaum Berührungsängste haben und auf die jungen Leute zugehen.“ Und sich im Gespräch mit den jungen Studierenden als recht schlagkräftig erweisen. Als beispielsweise ein Inder erklärt, dass der kulturelle Unterschied für ihn doch sehr groß sei, antwortet eine Seniorin: „Das kann ich wohl verstehen. Habe ich auch mitgenacht. Sie glauben gar nicht, was für einen Kulturschock ich verkraften musste, als ich von meiner Heimat hierher nach Kleve kam.“ Die Heimat der Seniorin vor dem Einzug ins Seniorenzentrum lag übrigens in einem Klever Vorort.

Kulturelle Unterschiede sind jetzt in der Karnevalszeit besonders deutlich zu sehen, wie es der Ägypter Mohammed Bassiouny zugibt. Er spricht auffällig gut die deutsche Sprache und lacht die ganze Zeit freundlich in die Runde. Wohl auch, weil ihn das Thema des heutigen  Abends „Karneval“ besonders interessiert – und amüsiert. „In meiner Heimat gibt es das nicht. Dort verkleiden wir uns nicht. Das ist mir schon sehr fremd. Aber es ist ein bisschen verrückt“, gibt er zu und lächelt freundlich die zugegebenermaßen ziemlich hässliche Möhnenmaske auf dem Tisch an.

Die 75-jährige Christa van Appeldorn empfindet es als angenehm, neben Prasanna Kumar Sakhinel zu sitzen und lacht viel mit ihm. Dass der indische Hindu Kirchgänge nicht kennt, wie van Appeldorn sie immer noch regelmäßig in die Kapelle unternimmt, macht diese Begegnung noch interessanter. Mittlerweile haben sich auch Seniorin Maria Dercks und Pavithran Boopathy per Handschlag begrüßt und lauschen gemeinsam einem vorbereiteten interaktiven Vortrag zum „Karneval der Kulturen“. Lediglich Elisabeth Haas fällt ein Fauxpas bei der süßen Verpflegung auf, die ermöglicht wurde durch den DAAD (deutscher akademi- scher Austauschdienst): „Also das hier sind Berliner. Die sind ja auch lecker“, gibt Haas zu und lächelt verschmitzt. „Aber zur Karnevalszeit gehören Bolle Beuskes auf den Tisch.“ Die hat hier zwar noch keiner der Studierenden aus Indonesien, Ägypten, der Türkei, Vietnam, Indien und Kolumbien probiert – aber dazu ist dann ja beim nächsten Treffen noch Zeit genug.

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