13.02.2020

Lebhafte Debatten im Klever Ratssaal zum Thema „Wem gehört die Stadt?“

SchülerInnenparlament Niederrhein diskutierte über ÖPNV, Freifunk und eine autofreie Innenstadt

Zum Schluss war das Votum eindeutig: Im Ratssaal des Klever Rathauses hielten alle Abgeordneten eine grüne Karte hoch und stimmten damit für „ja“ – „ja“ zum Schlusswort des SchülerInnenparlaments Niederrhein, in dem die Jugendlichen unter anderem gefordert hatten, das Parlament halbjährlich abzuhalten und die Klever Politik und Entscheider enger einzubinden.

Zuvor hatten sich die Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Kleve und Emmerich lebhafte Debatten zum Thema „Wem gehört die Stadt?“ geliefert und über den Ausbau des ÖPNV, eine autofreie Innenstadt, den Freifunk und Urban Gardening diskutiert. Vorbereitet wurden sie auf die Debatte zwei Tage lang in der Hochschule Rhein-Waal. Dorthin hatte die Fakultät für Technologie und Bionik, die das SchülerInnenparlament gemeinsam mit dem Fachbereich Jugend und Familie der Stadt Kleve veranstaltete, eingeladen. Bei der Auftaktveranstaltung konnten sich die Jugendlichen im Anschluss an den Vortrag „Die Stadt sind wir! Örtliches gemeinsam denken, gestalten und erleben“ von Professorin Dr. Tatiana Zimenkova, Vizepräsidentin für Internationales und Diversität, und Kevin Brandt, wissenschaftlicher Mitarbeiter, mit beiden über das Thema „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ austauschen. Martin-Paul Neys, Architekt aus Nimwegen, stellte anschließend in seinem Vortrag „Wem gehört die Stadt“ verschiedene Wohn- und Stadtviertelmodelle aus der Nachbarstadt Kleves vor.

In drei Einzelgruppen bereiteten die jungen Menschen danach intensiv die Unterthemen „Stadt als Living Lab“, „Wie wollen wir wohnen?“ und „Smart City“ vor. Begleitet wurden sie dabei von, Professor Dr. Rolf Becker, Professor für Physik mit dem Schwerpunkt Sensorik und Mechatronik, Professor Dr. Andy Stamm, Professor für Elektronik und Embedded Systems, sowie der Architektin Christiane Behrens, Geschäftsführerin der Klever Reppco Architekten GmbH. Gemeinsam identifizierten sie Probleme und erarbeiteten Lösungen, die sie in einer Abschlussresolution verfassten. Über diese Resolutionen wurde im Klever Rathaus, in der parlamentarischen Debatte abgestimmt. Begrüßt wurden die Schüler*innen dort von Bürgermeisterin Sonja Northing als Schirmherrin.

Während der Parlamentssitzung fanden durchaus nicht alle Vorschläge Anklang: Die Abschaffung von Ticketautomaten zugunsten elektronischer Tickets beispielsweise wurde abgelehnt, eine Mehrheit fand sich jedoch für die Idee einer App für Kleve, mit der die Bürger*innen über Veranstaltungen, Neuigkeiten aber auch Gefahren informiert werden können. Viele Ja-Stimmen erhielt auch das Ansinnen, einzelne Projekte in Kleve als Pilot durchzuführen und für einen begrenzten Zeitraum fahrrad- und fußgängerfreundliche Ampelschaltungen einzuführen. „Die Politik als Ideengeber wird oft überbewertet“, befürwortete der stellvertretende Bürgermeister Klaus-Werner Hütz die Vorschläge der Schüler*innen und motivierte sie, im Sinne einer Graswurzelbewegung weiterzumachen und ihre Ideen auszuarbeiten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt, die mit dem Format bereits auf europäischer Ebene Erfahrung sammeln konnten. Einen Teil der Veranstaltung sponserte der Rotary Club Kleve Schloss Moyland.

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