Was macht einen guten Studiengang aus? Wie lässt sich seine Qualität messen und wie können Hochschulen reagieren, wenn Studierende auf Schwierigkeiten stoßen? Mit vielen Fragen und dem Interesse an konkreten Lösungen besuchte eine Hochschuldelegation aus Kasachstan am 18. September 2026 die
Der Besuch war Teil einer Delegationsreise der Akkreditierungsagentur ASIIN, die die kasachische Hochschule bei der Weiterentwicklung ihrer Studienprogramme begleitet. Die Gruppe bestand aus Vertreterinnen und Vertretern der Gumilyov Eurasian National University in Astana.
Von Kleve nach Kasachstan: Was lässt sich voneinander lernen?
Vier Fakultäten, zwei Standorte, rund 6.200 Studierende und 61 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland. Mit diesen Zahlen begrüßten Prof. Dr. habil. Tatiana Zimenkova, Vizepräsidentin für Internationales und Diversität, und Prof. PD Dr.-Ing. Sylvia Moenickes, Dekanin der Fakultät Life Sciences, die Gäste und gaben ihnen zunächst einen Einblick in die Hochschule Rhein-Waal.
Dass rund drei Viertel des Studienangebots auf Englisch unterrichtet werden, machte schnell deutlich: Internationale Studienbedingungen sind in Kleve und Kamp-Lintfort kein Randthema, sondern prägen den Hochschulalltag. Entsprechend groß war das Interesse daran, wie Studiengänge unter diesen Voraussetzungen entwickelt und organisiert werden. Internationale Zusammenarbeit gehört ebenfalls dazu: Die Hochschule Rhein-Waal unterhält Kooperationen mit 96 Partnerhochschulen in 39 Ländern und bietet gemeinsam mit der Deutsch-Kasachischen Universität den Studiengang International Relations an.
Qualität endet nicht mit der Akkreditierung
Doch woran erkennt eine Hochschule eigentlich, ob ein Studiengang funktioniert? Dieser Frage widmete sich Dr. Rebecca Müller, Leiterin der Abteilung Qualitätsmanagement in Studium und Lehre am Zentrum für Qualitätsentwicklung.
Sie zeigte, dass Qualitätsmanagement nicht erst dann beginnt, wenn Probleme auftreten. Studiengänge werden vielmehr über ihren gesamten Lebenszyklus begleitet: von der ersten Idee und Konzeption über Durchführung und Evaluation bis hin zur Weiterentwicklung oder gegebenenfalls zur Einstellung.
Wie das konkret funktioniert, wurde anhand von Instrumenten wie Studiengangskompass, Kennzahlenberichten, Lehrveranstaltungsevaluationen und dem Qualitätsdialog zwischen Fakultäten und Präsidium deutlich. Die zahlreichen Nachfragen der Gäste zeigten, dass dabei vor allem der Blick hinter die Strukturen interessant war: Welche Daten werden erhoben? Was lässt sich aus ihnen ablesen? Und welche Konsequenzen zieht eine Hochschule daraus?
Ein Beispiel lieferte die Erstsemesterbefragung. Sie zeigt, dass internationale Studierende gerade zu Beginn ihres Studiums nicht nur vor akademischen Herausforderungen stehen. Bürokratie, Wohnungssuche und Sprache können den Start in Deutschland erheblich erschweren. Solche Erkenntnisse sollen nicht in Berichten verschwinden: Mit Angeboten wie dem Welcome Centre unterstützt die Hochschule internationale Studierende beim Ankommen und während ihres weiteren Studiums.
Vom Qualitätsmanagement ins Gewächshaus
Wie Studienbedingungen ganz praktisch aussehen können, erlebte die Delegation anschließend an verschiedenen Lernorten der Fakultät Life Sciences. Prof. Dr. Matthias Kleinke, Studiengangleiter Sustainable Agriculture B.Sc., führte die Gäste durch Labore und Seminarräume und über die Versuchsflächen vor dem Fakultätsgebäude. An den Wänden zeigten studentische Projektarbeiten zu Themen wie Malaria, Tollwut und Influenza, womit sich Studierende im Laufe ihres Studiums auseinandersetzen.
Der Ort, an dem besonders viele Smartphones gezückt wurden, lag allerdings hinter Glastüren: das Tropische Gewächshaus. Zwischen Bananenstauden, Papayabäumen und Kakaopflanzen erfuhren die Gäste, wie die klimatisierten Kammern für Forschung und Lehre genutzt werden. Damit wurde unmittelbar sichtbar, was zuvor in den Gesprächen abstrakter geblieben war: Zur Gestaltung eines Studiengangs gehören nicht nur Module, Prüfungsordnungen und Kennzahlen, sondern auch die Räume, in denen Studierende lernen, forschen und ausprobieren können.
Diesen Gedanken griff am Nachmittag auch die Fakultät Technologie und Bionik auf. Prof. Dr. Alexander Struck, Dekan der Fakultät, und Prof. Dr.-Ing. Kai Masuch, Studiendekan, stellten das neue Studiengangskonzept der Bachelorstudiengänge vor und zeigten der Delegation die dafür eingerichteten innovativen Lernorte.
Viele Fragen und gemeinsame Themen
Mindestens ebenso wichtig wie das offizielle Programm waren die Gespräche dazwischen: auf den Fluren, vor dem Gewächshaus oder beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa. Denn trotz unterschiedlicher Hochschulsysteme wurden im Laufe des Tages viele gemeinsame Themen sichtbar.
Wie bleiben Studiengänge international anschlussfähig? Wie lässt sich Qualität nicht nur dokumentieren, sondern kontinuierlich verbessern? Und wie können Studierende während ihres gesamten Studiums gut begleitet werden?
Auf manche dieser Fragen gibt es keine Lösung, die sich einfach von Kleve nach Astana übertragen lässt. Umso wichtiger ist der Austausch darüber, welche Ansätze funktionieren, welche Erfahrungen andere Hochschulen gemacht haben und welche Ideen sich daraus für die eigene Weiterentwicklung mitnehmen lassen.