Exkursionen an der Fakultät Life Sciences
Ganz gleich, ob es um fachspezifische Inhalte, das Ausbilden fachrelevanter Kompetenzen oder schlicht um „Learning by doing“ geht: Exkursionen verbinden Theorie und Praxis und sind fester Bestandteil der Lehre an der Fakultät Life Sciences.
Im Laufe deines Studiums kannst du an ganz unterschiedlichen Exkursionen teilnehmen – von Tagesausflügen zu Unternehmen der Region über Messebesuche bis zu mehrtägigen Fahrten ins Ausland.
Wohin es geht
Regionale Exkursionen
Tagesexkursionen zu Unternehmen der Region bieten alle Studiengänge regelmäßig an. Du lernst dabei die Arbeitsweisen einzelner Branchen kennen und bekommst Einblick in Organisation und Know-how regionaler Betriebe – etwa im Trinkwasserwerk Kevelaer, im Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof oder am Produktionsstandort der LEMKEN GmbH & Co. KG.
Exkursionen deutschlandweit
Alle zwei Jahre geht es zu den Messen Agritechnica und EuroTier nach Hannover – für Studierende von Sustainable Agriculture, B.Sc. und Agribusiness, B.A. Beide sind die weltgrößten Messen ihres Fachbereichs: die Agritechnica in der Agrartechnik, die EuroTier in Tierhaltung und -management.
Exkursionen ins Ausland
Studiengangübergreifende internationale Exkursionen finden jedes Jahr während der Exkursionswoche im Sommersemester statt und stehen in der Regel allen Studierenden der Fakultät offen. Ziel ist es, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Besonderheiten einer Region an konkreten Beispielen kennenzulernen. Bisherige Ziele waren unter anderem die Niederlande, Frankreich, Polen, Rumänien, Russland, Kirgistan und Benin.
Zuletzt ging es im September 2026 erneut nach Frankreich: mit drei Kleinbussen und 23 Studierenden aus zwölf Nationen über mehr als 2.200 Kilometer von Lothringen bis in die Camargue – entlang einer kompletten Wertschöpfungskette, von der Mirabellenbrennerei über die Senfproduktion bis zum Wochenmarkt in Arles.
Jedes Wintersemester geht es außerdem nach Brüssel zu den Institutionen der Europäischen Union – auf dem Programm stehen Besuche der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments. Dieses Angebot richtet sich an Studierende der agrarwissenschaftlichen Studiengänge.
Eindrücke
Wie so eine Woche abläuft, lässt sich am besten am Beispiel erzählen. Der Reisebericht von der Frankreich-Exkursion 2026 begleitet die Gruppe von der Mirabellenbrennerei in Lothringen bis zu den Reisfeldern der Camargue – mit Fotos von allen Stationen.
Reisebericht: 2.200 Kilometer Praxis – Unterwegs mit der Fakultät Life Sciences
Videos früherer Exkursionen
Studierende haben frühere Exkursionen mit der Kamera begleitet:
Prof. Dr. Matthias Kleinke über 15 Jahre Exkursionen
Seit rund 15 Jahren fährt die Fakultät Life Sciences mit Studierenden zu internationalen Exkursionen. Matthias Kleinke, Professor für Umwelttechnik, über Wölfe in den Karpaten, Senf aus Dijon und die Frage, warum man sich nach Jahrzehnten eher an eine Exkursion erinnert als an eine Vorlesung.
Herr Kleinke, die erste internationale Exkursion der Fakultät führte vor rund 15 Jahren nach Frankreich, danach ging es unter anderem nach Polen, Rumänien, Russland, Kirgistan und Benin. Warum dieser Aufwand?
An einer internationalen Hochschule wie der unseren wollen wir deutschen wie internationalen Studierenden Agrarsysteme und Formen der Landnutzung zeigen, die wir am Niederrhein so nicht zeigen können. Gerade in den ersten zehn Jahren haben wir bewusst Ziele gewählt, die nicht auf der typischen Urlaubsliste stehen – auch, weil das Ganze bezahlbar bleiben musste. Es ging nie darum, nach Mallorca zu fahren, weil es dort schön ist. Wer stattdessen in die polnischen Karpaten fährt, erlebt, wie entspannt die Menschen dort mit Wölfen umgehen. Davon kann man auch für die Debatte in Deutschland einiges lernen.
Ursprünglich waren das reine Agrarexkursionen. Wer fährt heute mit?
Inzwischen beziehen wir möglichst viele Studiengänge der Fakultät ein, vom Bachelor bis zum Master, und sind offen für Studierende anderer Fakultäten. Das ist enorm bereichernd: Eine gesellschaftswissenschaftliche oder ingenieurseitige Perspektive bringt in Agrarthemen etwas ganz anderes hinein. Die Studierenden wundern sich anfangs: „Was machen die im anderen Studiengang eigentlich?“ – und dann entsteht echtes Interesse füreinander.
Nach Benin im vergangenen Jahr ging es diesmal wieder nach Frankreich. Warum?
Wir wollten ein Ziel, das näher liegt und mit unseren eigenen Ressourcen gut erreichbar ist, das aber trotzdem ein ganz anderes Umfeld bietet. An der Mittelmeerküste ist schon die Pflanzen- und Tierwelt eine andere, und daraus entstehen ganz andere Agrarsysteme. Dazu kamen Kontakte einzelner Kolleginnen und Kollegen in die Region. Und es schloss sich ein Kreis: Genau dorthin ging vor 15 Jahren unsere allererste Exkursion.
Auf dem Programm standen Forschungsinstitute, aber auch eine Senfproduktion bei Dijon, eine kleine Mirabellenbrennerei in Lothringen und Märkte in der Provence. Nach welchem Prinzip stellen Sie die Stationen zusammen?
Wir wollen die ganze Wertschöpfungskette zeigen: von der landwirtschaftlichen Urproduktion über die Verarbeitung bis zur Vermarktung. Jeder kennt Dijon-Senf, aber zu sehen, wie daraus ein fertiges Produkt wird, ist eine wichtige Erfahrung. Auf den Bauernmärkten sieht man dann, was die Betriebe direkt vermarkten. Und auf der Mirabellenfarm haben wir ungefiltert erlebt, was einen Familienbetrieb heute an den Rand der Verzweiflung treibt, von Wühlmäusen bis zur Bürokratie. Eine Exkursion ist eben keine Kaffeefahrt. Wir betrachten an der Fakultät ja nicht nur Landwirtschaft, sondern Landnutzung insgesamt – deshalb gehört auch die Camargue mit ihrem Natur- und Landschaftsschutz dazu.
Solche Fahrten kosten Zeit, Geld und Nerven. Warum sollte die Hochschule sie beibehalten?
Weil Exkursionen an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein fester Bestandteil der Ausbildung sind. Begreifen kommt von Greifen: Man muss Dinge gesehen haben, um sie wirklich zu verinnerlichen. Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand irgendwann vergessen hat, was in der sechsten Sitzung meiner Vorlesung dran war. Ich weiß aus meiner eigenen Studienzeit, woran ich mich bis heute erinnere: an die Exkursionen. Unser Ziel ist, dass sich die Studierenden auch in 30 Jahren noch gern an diese Woche erinnern.