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Zwischen den derzeitigen Treibhausgasemissionen und den Zielen des Pariser Klimaabkommens, die globale Erwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen, besteht weiterhin eine erhebliche Emissionslücke [1]. Vor dem Hintergrund dieser existenziellen Herausforderung setzt die Europäische Union verstärkt auf die Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Energieeinsatz vom Wirtschaftswachstum, um den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu beschleunigen.

Abbildung 1 zeigt, dass sich der inländische Materialverbrauch (Domestic Material Consumption, DMC) und das Bruttoinlandsprodukt (Gross Domestic Product, GDP) der Europäischen Union zwischen 2000 und 2022 unterschiedlich entwickelt haben. Während das Bruttoinlandsprodukt stärker zunahm als der Materialverbrauch, stieg die Ressourcenproduktivität. Diese Entwicklung gilt als Hinweis auf eine zunehmende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch.

Darüber hinaus führten sinkende CO₂-Emissionen aus dem Primärenergieverbrauch, ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien sowie der geringere Einsatz von Erdöl zur Energiegewinnung zu einer höheren Energieproduktivität. Dennoch sind tiefgreifende und rasche Veränderungen erforderlich. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, wird die Europäische Union ihre Reduktionsziele voraussichtlich nicht erreichen [2], [3].

Im Rahmen des Projekts werden die Konzepte der Umweltinnovation (Environmental Innovation, EI) und der Energiebürgerschaft (Energy Citizenship, ENCI) wissenschaftlich untersucht, um die Europäische Union bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Nachhaltige Produktions- und Konsummuster, die durch Umweltinnovationen und Energiebürgerschaft ermöglicht werden, gehören zu den zentralen Bausteinen der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie [4].

Umweltinnovationen umfassen die Einführung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte, Dienstleistungen, Verfahren, Organisationsformen oder Vermarktungsstrategien, die den Verbrauch natürlicher Ressourcen – darunter Materialien, Energie, Wasser und Flächen – verringern und gleichzeitig die Freisetzung umweltschädlicher Stoffe über den gesamten Lebenszyklus hinweg reduzieren [5].

Energiebürgerschaft kann als besondere Form der Umweltinnovation verstanden werden. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich dabei individuell oder gemeinschaftlich für die Gestaltung eines nachhaltigen und demokratischen Energiesystems, das alle relevanten Akteure einbezieht [6]. Beispiele hierfür sind die Nutzung von Photovoltaikanlagen, Informations- und Sensibilisierungskampagnen sowie die Unterstützung klimapolitischer Maßnahmen durch Wahlen oder gesellschaftliches Engagement.

Im Rahmen des Projekts konnte in der veröffentlichten Studie [7] gezeigt werden, dass Finanzmärkte innovative Finanzierungsinstrumente bereitstellen müssen, um kleine und mittlere Unternehmen in Europa bei der ökologischen Transformation wirksam zu unterstützen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die europäischen Staaten hinsichtlich der Einführung von Umweltinnovationen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden. Die Studie unterscheidet dabei zwischen den Gruppen Leaders, Performers und Catchers.

Eine weitere wissenschaftliche Veröffentlichung [8] befasst sich mit der bedeutenden Rolle der wissenschaftlichen Gemeinschaft bei der Gestaltung und Weiterentwicklung der europäischen Umwelt- und Innovationspolitik.

Das Forschungsprojekt wird in Zusammenarbeit mit Prof. René Kemp von der Maastricht University und UNU-MERIT durchgeführt.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Torsten Niechoj, Arslan Austin und Prof. René Kemp.

Kontakt
Prof. Dr. Torsten Niechoj

Arslan Austin
arslan.austin(at)hochschule-rhein-waal.de

Projektpartner
Prof. Dr. René Kemp

Literatur

[1]       K. Calvin et al., ‘IPCC, 2023: Climate Change 2023: Synthesis Report, Summary for Policymakers. Contribution of Working Groups I, II and III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, H. Lee and J. Romero (eds.)]. IPCC, Geneva, Switzerland.’, Jul. 2023.

[2]       European Environment Agency, ‘Primary and final energy consumption in the European Union’. Accessed: Nov. 06, 2024. [Online]. Available: https://www.eea.europa.eu/en/analysis/indicators/primary-and-final-ener…

[3]       European Union, ‘DIRECTIVE (EU) 2023/1791 OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL  of 13 September 2023  on energy efficiency and amending Regulation (EU) 2023/955 (recast)’, OJ L 231, 20.9.2023, pp. 1–111, 2023.

[4]       B. Schmid et al., ‘Four pathways for energy citizenship initiatives to contribute to a more democratic European energy system’, J Eur Integr, vol. 47, no. 2, pp. 339–360, Feb. 2025.

[5]       C. Spaini, P. Markianidou, and A. Doranova, ‘EU Eco-Innovation Index 2018 - EIO Brief’, 2018.

[6]       A. Debourdeau, M. Schäfer, B. Pel, R. Kemp, and E. Vadovics, ‘A conceptual typology of energy citizenship’, Energy Res Soc Sci, vol. 117, Nov. 2024.

[7]       A. Austin and I. U. Rahman, ‘A triple helix of market failures: Financing the 3Rs of the circular economy in European SMEs’, J Clean Prod, vol. 361, p. 132284, Aug. 2022.

[8]       A. Austin and T. Niechoj, ‘Der Beitrag der Wissenschaft zur Umsetzung von Öko-Innovationen‘, in Wer rettet die Welt? Transformation gestalten in Zeiten der Polykrise, K. Hegemann, D. Lud, and F. Sohnrey, Eds., Nomos, 2025.

[9]       Austin, A., Weidner, K., & Betz, V. (2026). What Fosters Eco-Innovation in European SMEs? A Conceptual Framework and Empirical Evidence Across Micro, Meso, and Macro-Factors. Sustainability, 18(11), 5542.