Fashion Revolution Week 2020

20.04. - 26.04.2020

Wer macht unsere Kleidung und unter welchen Bedingungen?

In der Fashion Revolution Week  2020 zeigen wir unter welchen Bedingungen unsere Kleidung zum größten Teil hergestellt wird und welche fairen und nachhaltigen Alternativen es gibt.

Oft wird in der Textilindustrie massiv gegen die Rechte der Arbeiter*innen verstoßen: Es fängt an mit schlechter Bezahlung und Mehrfach-Schichtarbeit und geht weiter mit unzureichendem Schutz vor giftigen Chemikalien sowie fehlenden Sicherheitsmaßnahmen. Viele Beschäftigte starben bei Unglücken wie beispielsweise dem Fabrikbrand in Karatschi 2012 oder dem Einsturz der Rana Plaza Fabrik am 24.04.2013 in Dhaka – an den die Fashion Revolution Week besonders erinnern soll.

Eine Ursache für die schlechten Arbeitsbedingungen ist der extreme Wettbewerb in der Textilindustrie. Dieser führt dazu, dass Kleidung vorwiegend in Ländern mit niedrigen Löhnen und unzureichendem Arbeitsschutz produziert wird. Aber keine Kleidung kaufen ist auch keine Lösung.

Welche Alternativen es gibt, welche Kleidungs-Siegel faire Arbeitsbedingungen anzeigen und wie sich Corona auf die Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie auswirkt, erläutern wir in den kommenden Tagen.

Wir gedenken der 1134 gestorbenen Arbeiter*innen in Rana Plaza.

Bildnachweis: Mosmas GNU 1.2. Reinigung von Baumwolle vor dem Färben in einer Manufaktur in Amarapura, Region Mandalay, Myanmar (mons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56421912) Abgerufen von https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/94/Cotton_washing_Myanm...

 

Second Hand Kleidung 

Vor allem für Studierende sind Sparsamkeitseinkäufe und Tauschgeschäfte eine günstige Alternative um neue Kleidungsstücke zu finden oder gebrauchte Kleidung zu verkaufen.

Der Kauf aus zweiter Hand (Second Hand) ist eine der nachhaltigsten Möglichkeiten zum Einkaufen!

Es gibt viele Webseiten für Second Hand Kleidung - wir werden Ihnen drei vorstellen. Bitte beachten Sie, dass die Bewertungen aus persönlichen Erfahrungen entstanden sind:

ubup
Ubup ist Deutschlands größter Online-Shop für Second Hand Mode, es gibt eine große Menge an angebotenen Artikeln und einige Marken, die sich in Stil und Zustand unterscheiden. Die große Masse an Mode ist durch die Filterfunktion gut zu durchstöbern. Außerdem gibt es bei der ersten Bestellung einen Rabatt von 20 Euro.

Rebelle
Rebelle ist die „kleine Schwester“ von Ubup. Hier kann man hochwertige Mode aus zweiter Hand bestellen. Tolles Layout der Website, leider sind die Preise hier ziemlich hoch.

Kleiderkreisel
Kleiderkreisel bietet neben der Website noch eine App an, die speziell von Jugendlichen zum Tauschen und Verkaufen von Kleidung verwendet wird. Während der Handelsprozess bei ubup und Rebelle über die Webseite koordiniert wird, wird bei Kleiderkreisel der Kontakt direkt zwischen Verkäufer und Käufer hergestellt.

Bevor Sie mit dem durchstöbern der Angebote beginnen, schauen Sie erstmal in Ihren Kleiderschrank. Brauchen Sie wirklich noch eine Bluse? Vielleicht lassen sich Ihre Lieblingsteile auch ganz einfach reparieren oder upcyclen.

Falls dann doch etwas Neues her muss, gibt es drei gute Möglichkeiten, die sich optimal verbinden lassen:
Bestellen Sie ihr neues Lieblingsstück sicher und einfach online von zuhause aus. Viele Geschäfte bieten zudem einen CO2-neutralen Versand an.
Um die Wartezeit zu verkürzen, können Sie sich einige Podcasts über die Moderevolution anhören. Diese haben eine kritische Sicht auf die Branche und bieten Ihnen nachhaltige und fair gehandelte Optionen für Ihr Konsumverhalten.
Schauen Sie sich außerdem den Kanal „Fashion Revolution“ an. Dort finden Sie Hintergrundinformationen, beeindruckende Geschichten von Menschen, die für einen Modewechsel kämpfen und nicht zuletzt die #haulternative.

Bleiben Sie sicher, hören Sie zu, sehen Sie sich etwas Unterhaltsames an und erfrischen Sie Ihre Garderobe!

Podcast:
https://open.spotify.com/show/1KGwFhmRu97J05JfagJdUY?si=M9vaAvHBRaCvLv73...
https://www.fairtrade-deutschland.de/service/newsroom/podcasts.html 

You Tube Channel:
https://www.youtube.com/channel/UC0JS74vyisaHej_xEq_zZ1w

 

Textilsiegel 

Wissen Sie, wie viele Zertifizierungen es für Stoffe und Kleidungsstücke gibt? Sehr viele! Textilsiegel gibt es so viele, dass kaum noch jemand den Durchblick hat. Doch welche Siegel weißen darauf hin, dass die Kleidung wirklich giftfrei und die Produktion umweltschonend und sozial verträglich ist?

Um diesen Informationsdschungel zu durchschauen, hat "Siegelklarheit.de" eine Übersicht erstellt. Hier werden verschiedene Labels und Informationen veröffentlicht. Die Bewertungen basieren auf den Mindestanforderungen der Bundesregierung für Sozial- und Umweltsiegel.

Wir stellen Ihnen die vier bekanntesten Siegel kurz vor:

Grüner Knopf
Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien. Das Siegel umfasst in seiner momentanen Einführungsphase noch nicht die gesamte Lieferkette. Es werden die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“ geprüft. In den kommenden Jahren wird der Grüne Knopf auf die Arbeitsschritte „Weben und Spinnen“ sowie „Baumwollanbau / Faserproduktion“ ausgeweitet.

Fairtrade - Stiftung für Baumwolle
Dieses Siegel deckt die Phase der Rohstoffproduktion (z.B. Anbau von Naturfasern und Herstellung von Kunstfasern) ab. Es steht für sozialverträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Baumwollproduktion und richtet sich insbesondere an Kleinbauern. Die Lizenzgebühren und ein Anteil des Fairtrade-Aufpreises werden für Projekte in den Produktionsländern genutzt. Das Siegel stellt außerdem Anforderungen an einen umweltverträglichen Baumwollanbau. Laut Siegelklarheit.de erfüllt es besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit und Sozialverträglichkeit. Die Mindestanforderungen zur Umweltfreundlichkeit sind nicht komplett erfüllt.

Fair Wear Foundation (FWF)
Dieses Siegel deckt die Phase der Herstellung (z.B. Spinnen, Weben und Stricken, Nähen, Konfektionierung und Veredelung) ab und erfüllt laut Siegelklarheit.de besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit und Sozialverträglichkeit. Die Mindestanforderungen zur Umweltfreundlichkeit sind nicht komplett erfüllt. Ziel ist, die Arbeitsbedingungen in Unternehmen der Textilindustrie weltweit zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betrieben, in denen Textilien genäht werden. Mitglieder sind etwa 80 Textilunternehmen, die etwa 120 Marken vertreten.

GOTS (Global Organic Textile Standard)
Dieses Siegel deckt die Rohstoffproduktion, die Herstellung/Produktion/Weiterverarbeitung, den Transport, den Handel und die Nutzungsphase durch den Besitzer ab. Ziel des Siegels ist, einen weltweit einheitlichen, kontrollierbaren, sozialen und ökologischen Standard aufzubauen, der die gesamte Produktionskette von Textilien umfasst und nachvollziehbar macht. Inhaltlicher Schwerpunkt ist der Einsatz von Chemikalien während der Herstellung. Das Siegel erfüllt laut Siegelklarheit.de besonders hohe Anforderungen in der Glaubwürdigkeit, der Umweltfreundlichkeit und alle Mindestanforderungen in der Sozialverträglichkeit.

Nachhaltigkeit ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Wie wäre es also, wenn sie auch beim Shopping auf Nachhaltigkeit setzen? Überlegen Sie sich gut ob überhaupt etwas Neues her muss. Gehen Sie in Second Hand Geschäfte.
Generell sollten Textilien mehr wertgeschätzt werden. Die Suche nach fairer und nachhaltig produzierter Kleidung kann der Einkauf bei speziellen Seiten erleichtern, wie z.B. memo.de, hessnatur.com, avocadostore.de oder greenaity.de. Zalando hat in seiner Produktsuche für Bekleidung ein vorgegebenes Feld „Nachhaltigkeit“. Shoppt zertifiziert und nachhaltig, es ist gar nicht schwer!

 

Wie sich das Coronavirus auf die Bekleidungsindustrie auswirkt

Die Covid-19-Pandemie verändert unseren Alltag. Der Kontakt zu unseren Mitmenschen ist eingeschränkt und an Hochschulen finden keine Präsenzveranstaltungen statt. Durch die Schließung der Modegeschäfte in zahlreichen europäischen Ländern, ist auch die Nachfrage gesunken. Dies wirkt sich massiv auf die Bekleidungsindustrie aus. Laut der „Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association“ (BGMEA) in Bangladesch, wurden Bestellungen im Wert von 81 Milliarden Dollar storniert. Über 1.000 Fabriken waren davon betroffen.

Besonders in Ländern, in denen die Textilindustrie das wichtigste finanzielle Einkommen darstellt, ist der Ausbruch des Coronavirus eine ernsthafte ökonomische Bedrohung.

In Bangladesch wurden auf Grund der Coronapandemie die meisten Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie entlassen, ohne Kompensationszahlungen von den Unternehmen oder dem Staat zu erhalten. Da die Bekleidungsindustrie einer der größten Arbeitgeber in Bangladesch ist, sind die sozialen Auswirkungen dramatisch.

Sollte die Nachfrage in den europäischen Ländern nach Kleidung wieder ansteigen, werden die großen Modemarken wieder Aufträge erteilen. Aber möglicherweise zu ungünstigeren Bedingungen als zuvor, da sich die Verhandlungsposition von Regierungen, Unternehmen und Beschäftigen in Bangladesch und anderen Ländern, die von der Bekleidungsindustrie abhängen, durch die Krise nicht verbessert hat.

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Gedenktag Rana Plaza 

Das Rana Plaza, ein Geschäftsgebäude in Dhakas Außenbezirk Savar, Bangladesch, ist das Symbol der Fashion Revolution Week. Am 24. April 2013 stürzte das achtstöckige Gebäude ein. In dem Gebäude befanden sich Bekleidungsfabriken, die Kleidung für einige der größten globalen Modemarken herstellen, eine Bank, Wohnungen und mehrere Geschäfte. Einschließlich der Rettungskräfte wurden 1.134 Menschen getötet und fast 2600 Arbeiter*innen verletzt. Die meisten der 5.000 Arbeiter*innen im Inneren waren junge Frauen. Die Überlebenden erzählten Geschichten darüber, dass sie schon vorher wussten, dass das Gebäude gefährlich war und in den Tagen vor dem Einsturz Risse aufwies. Die Einzelhandelsgeschäfte und Banken im Erdgeschoss schlossen ihre Betriebe, aber auf Grund der hohen Nachfrage der Textilmarken und einer unersättlichen Modeindustrie mussten die Arbeiter*innen der Bekleidungsindustrie weiter arbeiten.

Das war die Geburtsstunde der Fashion Revolution. Nach dem Global Slavery Index (2018) ist die Bekleidungsindustrie der zweitwichtigste Sektor, der die moderne Sklaverei vorantreibt.

Fashion Revolution will dies ändern. Wir müssen #WhoMadeMyClothes? fragen und fordern, dass die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, sichtbar sind und ihre Menschenrechte respektiert werden.

Mit einem Online-Flohmarkt in dieser Woche wollen wir das Bewusstsein für dieses Thema schärfen. Der Kauf von Gebrauchtkleidung ist die nachhaltigste Art des Einkaufens!