Faire Materialien?

Baumwolle und Polyester

In unseren Kleiderschränken hängen viele, unterschiedliche Kleidungsstücke, jedoch wissen wir oft nicht wie, wo und woraus sie gemacht wurden. Weit verbreitet sind Kleidung aus Baumwolle und Kunstfasern, wie beispielsweise Polyester. Um diesbezüglich umwelt-, energie- und ressourcenschonend zu agieren, muss die gesamte Textilkette in den Fokus genommen werden. Beide Stoffe sind auf ihre eigene Art problematisch, sei es bei der Herstellung oder auch im Gebrauch.

Bezieht man sich für diesen Vergleich auf ein Baumwoll-T-Shirt  bzw. ein Polyester T-Shirt, zeigt sich direkt ein Unterschied im Stoffverbrauch. Ein Baumwoll-T-Shirt wiegt 300 Gramm, ein gleiches Shirt aus Polyester etwa 200 Gramm, also 1/3 weniger.

Bei der Herstellung des Baumwoll-Shirts fällt für die Bewässerung der Felder, die Reinigung der Baumwolle und die Veredelung etwa 2000 Liter Wasser an. Grob gesagt werden für ein Kilo Baumwollfasern insgesamt etwa 10.000 Liter Wasser benötigt, wobei alleine eine Jeans um die 800 Gramm wiegen kann. Regional unterscheidet sich dies jedoch, zum Beispiel ist der Verbrauch in China wesentlich kleiner als in Indien.

Für die Herstellung eines T-Shirts aus Polyester wiederum wird weniger Wasser benötigt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es die bessere Wahl darstellt, denn zur Herstellung wird hierbei der nicht nachwachsende Rohstoff Erdöl benötigt. Verwendet man recyceltes Plastik, muss dies eingeschmolzen und dann zu Garn verarbeitet werden. In Asien wird aus etwa acht Plastik Flaschen ein T-Shirt hergestellt, in diesem Fall ist jedoch der Transport von Nöten, der die Umweltbilanz wieder verschlechtert.

Die Energiebilanz der beiden Stoffe Baumwolle und Polyester sind ähnlich. Da Letzteres jedoch einen geringeren Stoffanteil hat, wird dementsprechend weniger Energie benötigt.

Im Gebrauch scheint Polyester der Baumwolle etwas voraus zu haben. Die Kunstfaser ist pflegeleichter, da weniger Hitze in der Waschmaschine benötigt wird, es schneller trocknet und nicht gebügelt werden muss. Baumwolle hingegen habe eine kürzere Lebenszeit, laufe schneller ein, werde häufig heißer gewaschen und öfter gebügelt. Dennoch, synthetische Stoffe setzen durch Abrieb häufig Mikroplastik frei, z. B. beim Waschvorgang, welches dann in die Umwelt abgegeben wird.

Um einer komplett nachhaltige Textilkette zu gewährleisten, ist es wünschenswert, wenn jedes einzelne Kleidungsstück in seinen Kreislauf zurückgeführt würde: Für (Bio-)Baumwolle in einen biologischen und für Polyester in einen technischen Kreislauf.

Bio-Baumwolle, ist beinah zu 100 % biologisch abbaubar. Zurück bleiben gegebenenfalls chemische Fasern durchs Färben und Bedrucken der Kleidung, dennoch ist es kompostierbar und zersetzt sich nach nicht allzu langer Zeit. Polyester wiederrum zerfällt nicht. Um keinen Müll zu produzieren müssen neue Produkte daraus geschaffen werden, durch Recycling können beispielsweise Flaschen oder Spielzeuge produziert werden. Auch neue Kleidung kann aus recyceltem Polyester geschaffen werden, dafür wäre jedoch wieder ein Transport nach Asien notwendig, aus dem eine schlechtere Umweltbilanz resultiert.

Da sowohl Polyester und Baumwolle Vor- und Nachteile aufweisen, ist es wichtig, bewusst zu kaufen und zu konsumieren, um negative Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Wenn Kleidung aus Polyester gekauft wird, sollte darauf geachtet werden, dass es sich um recycelte Kunstfasern handelt. Bei Baumwoll-Kleidung ist es von Vorteil, Bio-Baumwolle zu wählen. Außerdem sollte beim Kleidungskauf auf Fair Trade-Siegel geachtet werden (EU-Ecolabel, GOTS, bluesign product, Fairtrade cotton etc.). Diese garantieren, dass im Bereich der Produktion Sozialstandards und Mindeststandards für die Umwelt eingehalten werden.

©TransFair e.V./Suzanne Lee