Auswirkungen des Lockdowns auf die Modeindustrie

Auswirkungen auf die Produktionsländer

Die Corona-Krise ermöglicht eventuell die Chance für eine nachhaltigere Entwicklung in der Zukunft. In unserem gestrigen Artikel haben wir gezeigt, welche Probleme der Fast Fashion Industrie durch die Corona-Krise deutlich geworden sind. Man aber nicht die Lage in den Produktionsländern ignorieren. Viele Unternehmen haben den Druck an die Lieferketten weitergegeben, Aufträge storniert und sogar schon fertig gestellte Ware nicht bezahlt.

Hier wird erneut die Abhängigkeit der Produzenten von den Abnehmern deutlich. Die Abnehmer argumentieren, dass bei möglicher Insolvenz der Verkäufer diese nicht wieder Ware bei den Herstellern bestellt würden, was für die Produzenten ein größeres Problem wäre. Dieses Argument ist aber für große internationale Unternehmen, die für die eigenen Mitarbeiter Kurzarbeitergeld etc. beziehen, nicht glaubwürdig. Es zeigt aber, dass viele Unternehmen keine Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen. Und würden Unternehmen, die das Fast Fashion Konzept verfolgen, insolvent, so böte dass die Chance für Unternehmen, die nachhaltigere Konzepte verfolgen.

Nach China ist Bangladesch das Land mit dem meisten Export von Kleidung. Mit circa 4000 Fabriken und 4 Mio. Angestellte ist das kleine Land von der Textilindustrie abhängig. Viele Firmen in Bangladesch waren auf Grund der ausbleibenden Zahlungen der Auftraggeber während des Lockdowns nicht in der Lage, die Löhne weiter zu bezahlen. Die ausbleibenden Zahlungen führten auch zu vielen Fabrikschließungen, was Millionen Menschen die Lebensgrundlage mitten in einer Pandemie entrissen. Zwischenzeitlich haben einige Fabriken angefangen,  Schutzkleidung zu produzieren, jedoch ist die Lage auch nach einem Jahr Pandemie nicht zum Vorpandemie-Zustand zurückgekehrt.  Laut Schätzung der International Labour Organization ILO wurden im Schnitt nur drei von fünf Arbeiter*innen nach Öffnung der Fabriken wiedereingestellt. Die sich daraus ergebenen Konsequenzen für die, die ihre Arbeit verloren haben, sind enorm: Personen die sonst 12 Stunden am Tag für 6 Tage die Woche gearbeitet haben und mit den dadurch verdienten 100€ in der Woche eine ganze Familie ernährt haben, stehen jetzt seit einem Jahr ohne Einkommen und Rücklagen da. Das führte unter anderem dazu, dass sie ihre Kinder statt in die Schule zum Arbeiten geschickt werden.

Ware für Fast Fashion Unternehmen zu produzieren, und dann in Deutschland zu vernichten ist nicht nachhaltig. Die Aufträge auf Kosten der Produzenten zu stornieren kann es auch nicht sein. Soll die Gesellschaft weiter diese Unternehmen mit Käufen unterstützen, damit  nicht noch mehr Arbeiter am Ende der Lieferkette ihre Jobs verlieren?

Kurzfristig betrachtet ist schlecht bezahlte Arbeit unter unwürdigen Bedingungen besser als keine Lebensgrundlage. Langfristig muss der Handel nachhaltig und fair gestaltet werden. Dazu könnte ein Lieferkettengesetz (sieh unseren Artikel von Mittwoch) ein Beitrag sein. Langfristig ist aber auch ein Umdenken notwendig. Weniger, dafür nachhaltiger und fair hergestellten Kleidung kaufen, kann ein Beitrag sein. Hier sollten sowohl die Unternehmen als auch die Verbraucher Verantwortung zu übernehmen.

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