Auswirkungen des Lockdowns

auf die Absatzländer:

Mehrere Monate Lockdown und der geschlossene Einzelhandel in Kombination mit einem geringeren Shoppingerlebnis mit Maske und geschlossenen Umkleiden haben dazu geführt, dass während des letzten Jahres deutlich weniger Kleidung gekauft wurde. Hinzu kommt, dass Anlässe wie Events, Urlaube und sogar Bürobesuche, für welche man Kleidung kauft, ausfielen.

Da die Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen, ist lediglich der Absatz von Artikeln wie zum Beispiel Hausschuhen und Jogginghosen gestiegen. Auch wenn alle Unternehmen darunter leiden, haben die Fair Fashion Unternehmen gegenüber den Fast Fashion Betrieben einige Vorteile in der Krise. Der gute Kontakt zu den Herstellern, welcher durch kurzfristige Aufträge und daraus folgenden ständig wechselnden Subunternehmen bei den großen Fast Fashion Labeln nur selten vorkommt, hilft bei dem Finden von Lösungen. Zudem kann langlebigere, nicht nur von kurzen Trends bestimmte Mode, besser gelagert und im nächsten Jahr oder der nächsten Saison verkauft werden. Durch kurze Saisonzyklen und schnelle Massenproduktion blieben dagegen die Fast Fashion Unternehmen auf großen Mengen von Kleidung sitzen, deren Lagerung wegen der Menge und der schon nahen neuen Saison häufig nicht möglich oder wirtschaftlich war. Um ihre überschüssige Ware los zu werden, senkten viele Unternehmen sehr deutlich die Preise. Kleidung, die nicht verkauft werden konnte, wurde häufig vernichtet, da in Deutschland bislang für Spenden Mehrwertsteuer anfällt.

Da nun, neben den ethischen und ökologischen auch wirtschaftliche Vorteile von langsamer und nachhaltiger Mode zu erkennen sind, könnte dies der perfekte Zeitpunkt für ein Umdenken der Überfluss Strategie zur Entschleunigung darstellen. Auch wenn große Unternehmen den Druck, der durch die großen Verluste entstanden ist, an die Lieferketten abgeben und sich so Ihr Überleben sichern, werden sie gezwungen sich mit ihrer Wertschöpfungskette auseinanderzusetzten. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels schätzt, dass es in der Zukunft weniger Kollektionen pro Jahr und Marke geben wird. Doch ob nachhaltigere Konsum- und Produktionsmuster, das 12. Ziel der insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltigere Entwicklung, auch nach der Pandemie noch bestehen werden, hängt von dem Konsumverhalten der Gesellschaft ab. Auch hier besteht die Chance, dass durch die Kaufbeschränkungen und die sichtbaren Mängel der Überflussstrategie ein Bewusstsein für weniger, dafür hochwertigere Kleidungsstücke entstanden ist.

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