Das kontroverse Thema des Exports von Kleiderspenden in afrikanische Länder

Durch die Fast-Fashion-Industrie werden immer mehr Kleidungsstücke gekauft und nach kurzer Zeit nicht mehr benutzt, obwohl die Artikel noch in einem guten und tragbaren Zustand sind. So werden in Deutschland jährlich ca. 391752 Tonnen Textilien weggeworfen.  Die große Frage ist: Wohin mit den Kleidungsstücken?

Neben Secondhand-Flohmärkten und lokalen Secondhand-Läden gibt es auch die Alternative, einen der vielen Container der verschiedenen Firmen und NGO's zu nutzen. Diese Textilien werden anschließend sortiert und an gewerbliche Abnehmer verkauft. Ein Teil der Kleidung wird zu Putzlappen oder Rohstoffen weiterverarbeitet, der größte Teil (50-55 %) wird aber verkauft und exportiert (FAIRWertung). In der Diskussion über die Auswirkungen des Exports von Secondhand-Kleidung, insbesondere auf Länder in Afrika, gibt es kontroverse Meinungen und Standpunkte. Dieser Artikel versucht einen kurzen Überblick über das Thema zu geben und die Komplexität darzulegen.

Zunächst einmal ist es gut, die Lebensdauer eines Artikels zu verlängern, denn neu produzierte Kleidung ist in vielerlei Hinsicht, wie z.B. bezüglich CO2-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Abfallerzeugung durch den alten Artikel  ökologischen nicht nachhaltig. Wenn das Kleidungsstück tatsächlich Menschen in Not erreicht und der Gewinn, der durch den Verkauf des Stoffes erzielt wird, für soziale Projekte oder zur Kostendeckung verwendet wird, wie es bei einigen Organisationen der Fall ist, scheint es eine faire Sache zu sein. Aber längst nicht alle Unternehmen sind so transparent, wie sie sein sollten, und manche erzielen aus gespendeten Artikeln enorme Gewinne.

Häufig geäußerte Kritik ist, dass die gespendeten Kleidungsstücke der lokalen Textilindustrie schaden, die nicht so billig produzieren und verkaufen kann. Deshalb ist die Textilindustrie in den letzten 50 Jahren in einigen afrikanischen Ländern enorm geschrumpft und daher wird in einigen afrikanischen Ländern schon seit Jahren über einen Importstopp von Secondhand-Kleidung nachgedacht. Das könnte jedoch dazu führen, dass billige und qualitativ schlechtere Kleider-Importe z. B. aus Asien mehr profitieren als die lokale Industrie. Importe von Billig-Kleidern dominieren im Moment den Markt und lassen der lokale Textilindustrie keinen Raum, sich zu entwickeln. Das liegt vor allem an der geringen Kaufkraft der Bevölkerung, basierend auf dem niedrigen Einkommen und damit der Abhängigkeit von billiger Kleidung, und den wenigen lokalen Unternehmen, die mit den Importen tatsächlich konkurrieren könnten. Aber gäbe es nicht ein höheres Einkommen und billigere lokale Kleidung, wenn eine Textilindustrie vor Ort eine Chance hätte?

Auch zu berücksichtigen ist, dass durch den Markt für Second-Hand-Kleidung auch neue Arbeitsplätze und Möglichkeiten entstanden sind, die verloren gingen, wenn die Länder den Import stoppten. Aber sind dies die richtigen Arbeitsplätze, um eine nachhaltige Wirtschaft zu schaffen?

Auch möchte die Bevölkerung nicht von der Politik vorgeschrieben bekommen, was sie kaufen dürfen. Daher wurden bislang Einfuhren von Second-Hand Kleidung in vielen afrikanischen Ländern zwar mit Zöllen belegt, aber nicht verboten.

Es gibt also wichtige Argumente für und gegen Altkleidersammlungen. Im Einzelfall sollte geprüft werden, was die Firma, von der der Container stammt, mit der Kleidung macht und wofür sie ihre Gewinne verwendet! Empfehlenswert ist zum Beispiel der Dachverband „Fairwertung" für Kleiderspenden, dessen 130 Mitglieder einen Verhaltenskodex unterschreiben mussten.

Bild: © Andreas Lischka