ÜBERAUS GELUNGENE GIRLS'-DAY-PREMIERE

MEHR ALS 30 SCHÜLERINNEN AUS DEN KREISEN KLEVE UND WESEL WAREN AM 22. APRIL ZU GAST AN DER HOCHSCHULE RHEIN-WAAL IN KLEVE UND KAMP-LINTFORT - UND ZEIGTEN SICH BEGEISTERT VOM GIRLS'-DAY-PROGRAMM

Der Tag in Kleve

Wieso wird das Lotus-Blatt eigentlich nicht schmutzig? Warum fällt ein Gecko nicht von der Wand? Und wie alt können Regenwürmer überhaupt werden?  Was hat der Weltklasse-Schwimmer Michael Phelps mit Haien zu tun? Die 34 Schülerinnen aus dem gesamten Kreis Kleve, die am 22. April zum Girls‘ Day 2010 an die Hochschule Rhein-Waal nach Kleve gekommen waren, bekamen Antworten auf diese und noch zahlreiche weitere spannende Fragen aus Naturwissenschaft und Technik - und gingen ebenso bereichert wie begeistert nach einem abwechslungsreichen Programm nach Hause.

Das DNA-Modell - und die Nachbau-Versuche mit Luftballonen

„Schau zu, mach‘ mit: ein DNA-Modell aus Luftballons“ hatte etwa Prof. Dr. Peter Scholz (Fakultät Life Sciences) seinen Mitmach-Vortrag überschrieben: „Die DNA“, veranschaulichte er anfangs anhand eines Modells, „ist wie ein ganz dickes Buch mit der Geschichte unseres Lebens.“ Freilich sollten die Schülerinnen der Klassen 5 bis Jahrgangsstufe 12 jetzt keinen trockenen, langweiligen Vortrag hören, sondern selber kreativ werden – und ein Modell des Trägers unserer Erbinformation basteln – mit Hilfe von Luftballonen. Zuvor gab’s eine kurze „Bastel-, Aufblas- und Knot-Einführung“ durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Nadine Merettig und Dr. Stefan Weber.

Aufgrund der Van-der-Waals-Kräfte haften die Luftballone an der Decke

Nicht nur die 13-jährige Edda war begeistert: „Total spaßig, das Gelernte in der Praxis anzuwenden, das war eine sehr kreative Idee“, lobte die Schülerin die Umsetzung des ersten Girls’ Days an der Hochschule Rhein-Waal. Von ihrer Mutter sei sie auf das Angebot hingewiesen worden: „Da ich mich sehr für Naturwissenschaften interessiere und zugleich riesig gespannt war, die neue Hochschule kennen zu lernen, zögerte ich nicht lange, mich hier für den Girls‘ Day anzumelden“, blickte Edda zurück.

Prof. Dr. Kerstin Koch demonstriert den Lotus-Effekt.

Sie wurde auch in der Folge nicht enttäuscht: „Bionik, oder wie der Mensch von der Natur lernen kann“, war der Titel des nächsten Kurzvortrags mit Mitmach-Garantie überschrieben. Prof. Dr. Kerstin Koch aus der Fakultät Life Sciences erklärte bildreich und anhand vieler Beispiele, wie wir „Erfindungen“ der Natur umsetzen in die Technik: Entenfüße etwa hätten Anregung gegeben für die Entwicklung von Schwimmflossen, Hai-Haut sei vorbildlich gewesen für die Konstruktion widerstandsreduzierter Oberflächen.

Ja, und wieso fällt der Gecko jetzt nicht von der Decke…? Saugt er sich etwa fest? Hat er Klebstoff unter den Füßchen? „Für die erstaunliche Haftung sind unter anderem schwache, elektrostatische Anziehungskräfte zwischen den Atomen verantwortlich, die Van-der-Waals-Kräfte“, erläuterte Prof. Koch. Verformbare Oberflächen, die eine ganz feine Struktur aufwiesen, böten mehr Kontaktfläche und damit mehr Möglichkeiten zur Ausbildung der elektrostatischen Anziehungskräfte. In der Technik fänden diese Kräfte überall dort Anwendung, wo etwas geklebt und wieder leicht gelöst werden müsse. Im Anschluss an den lebhaften, fesselnden Vortrag durften die Schülerinnen wieder selber tätig werden – und den Lotus-Effekt experimentell erfahren. Ganz schön beeindruckend, wie das Wasser von der Oberfläche des Blattes einfach so herunter rollte…

Und warum wird ein Lotus-Blatt nicht schmutzig? „Kleine Strukturen auf den Blättern, die Wachskristalle, sind stark wasserabweisend“, erklärte Prof. Koch. Die Wachse machten die Oberfläche somit sehr hydrophob, das Wasser rolle ab. Zudem bildeten die Wachse eine sehr feine Struktur, die den Kontakt von auf dem Blatt liegenden Schmutz zum Blatt selber reduziere. „Der Schmutz sitzt wie ein Fakir auf einem Nagelbrett“, so Prof. Koch. Und werde folglich vom abrollenden Wasser mitgenommen. Genau diese bezeichne man als Lotus-Effekt… Die Anwendungen in der Technik seien sehr vielfältig: „Selbstreinigung durch herab rollendes Wasser ist überall dort sinnvoll, wo die Oberflächen regelmäßig dem Regen ausgesetzt sind, die feinen Strukturen der Oberfläche jedoch nicht beschädigt werden. Beispiele sind Hausdächer, Außenwände oder Zelte.“

ADONIS - der vierbeinige Laufroboter

Nach einer Mittagspause mit Gulaschsuppe, Brötchen und netten Gesprächen ging’s bestens gelaunt und voller Wissbegier weiter: Prof. Dr. Thorsten Brandt, Gründungsdekan Technologie und Bionik, stellte den Mädchen ADONIS vor, einen vierbeinigen Laufroboter, der sich selbst in unwegsamem Gelände fortbewegen kann. „An ADONIS wird deutlich, wie Ingenieure Bewegungsmechanismen aus der Natur nachahmen, etwa diejenigen von Spinnen, um Maschinen zu konstruieren, die auch in unwirtlichen Umgebungen mobil sind“, erläuterte Prof. Brandt. Der extrem wendige Laufroboter, den die Schülerinnen freilich auch „in action“ bewundern durften, wiegt rund zehn Kilogramm, wurde über dreieinhalb Jahre hinweg entwickelt – und funktioniert mittels Sensoren.

Prof. Dr. Florian Wichern mit Bodenproben - und einige faszinierte Schülerinnen auf "Entdeckungstour"

Während des letzten Girls‘-Day-Programmpunktes drangen hin und wieder gellende „Iiiiiiiiih-Schreie“ aus Hörsaal 6. Prof. Dr. Florian Wichern, Gründungsdekan Life Sciences, hatte sich nämlich das Thema „Igitt, das lebt ja“ überlegt und führte mit den Mädchen einfache bodenbiologische Bestimmungsübungen an Kompost und Bodenproben durch. Und da hinein hatte sich freilich der ein oder andere Wurm und Käfer verirrt, den die Schülerinnen sich unter die Lupe nehmen durften.  Im Kurzvortrag erfuhren die Teilnehmerinnen außerdem, dass Regenwürmer maximal zehn Jahre alt werden können.

In der kurzen Nachbesprechung zeigten sich durchweg alle Schülerinnen begeistert von der Girls‘-Day-Premiere an der Hochschule Rhein-Waal. „Das hätten wir nicht erwartet, dass wir dermaßen in die Praxis mit einbezogen wurden – toll!“, lautete die einhellige Meinung. Mit einer „echten“ Girls‘-Day-Tasche, gefüllt mit Info-Material und Leckereien, und freilich ungezählten, neuen, spannenden Eindrücken ging’s am frühen Nachmittag nach Hause. Auf Wiedersehen, hoffentlich!!

 

In Kamp-Lintfort

Um die wunderbare Welt der Mathematik mit Alltagsbezug drehte es sich beim Kurzvortrag von Prof. Dr. Frank Zimmer. 32 Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren erfuhren hier, wo die Mathematik überall eine Rolle spielt, selbst dort, wo man es zunächst gar nicht vermuten mag. Untertitel der Veranstaltung war demnach "Was haben Sonnenblumen, Körperproportionen und das alte Rathaus in Leipzig gemeinsam?".

So macht Programmieren Spaß!

"Ich sehe was, was du nicht siehst" - Eyetracking zur Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit bei Software- und Webprodukten hieß es in der Veranstaltung bei der Gründungsdekanin der Fakultät Kommunikation und Umwelt, Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Frank Feyrer. Und dass Programmieren durchaus riesigen Spaß macht und ein wenig ist wie Lego bauen, erfuhren die Schülerinnen bei Prof. Dr. Rolf Becker in seinem Workshop "Hilf der kleinen Katze, Scratch laufen zu lernen".

Höchst zufrieden und mit voller Girls'-Day-Tasche gingen die Mädchen nach Hause.

Ein gelungener Girls' Day in Kamp-Lintfort - mit einer tollen und äußerst interessierten Truppe, die viel Freude daran zeigte, in technische Belange hinein schnuppern und die Hochschule kennen zu lernen.